zur Navigation springen

Michael Schierack : Der lehrende Herausforderer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mitten im Wahlkampf wurde seine Tochter eingeschult. „Da dabei zu sein, habe ich mir nicht nehmen lassen“, sagt Schierack. Ansonsten allerdings achtet der Mediziner darauf, seine Familie aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

Wenn Michael Schierack eine gute Pointe glückt, strahlt er über das ganze Gesicht. Dann steht der Arzt aus Cottbus am Rednerpult des Potsdamer Landtags, die Hände vor dem Körper zusammengeballt. Dann erinnert Schierack an jenen Samstag im Oktober, als er rhetorisch brilliant die Rede seines Lebens hielt: Auf dem Landesparteitag in Potsdam wurde er damals zum Landesvorsitzenden seiner Partei gewählt.

Heute freilich ist aus dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion auch der Herausforderer geworden. Der Spitzenkandidat der märkischen Union, der angetreten ist, um Dietmar Woidke zu besiegen. Oder realistischer: Um der CDU eine Regierungsbeteiligung zu sichern. „Wir wollen dieses Land führen und voranbringen“, sagt Schierack. Weswegen er im Wahlkampf „mit aller Schärfe und mit Zuspitzung die Fehler der rot-roten Landesregierung darstellt.“

Bei der inneren Sicherheit, wo die rot-rote Polizeireform „völlig versagt“ habe. In der Wirtschaftspolitik, wo die CDU mit allen Kräften gegen das Vergabegesetz des Landes kämpft. Und in der Bildungspolitik, wo die Union in der ganzen letzten Legislaturperiode schon den Unterrichtsausfall zum Thema machte.

„Die SPD, die seit zwei Jahrzehnten die Bildungspolitik im Land verantwortet, hat den akuten Lehrermangel verantwortet“, sagt Schierack. „Es wird Zeit, dass sich in Brandenburg etwas ändert.“ Im Land gebe es viele desillusionierte Lehrer, die besseres verdient hätten.

Daheim, im sorbischen Dorf bei Cottbus, wird Schierack die Folgen der Bildungspolitik künftig direkt erleben. Mitten im Wahlkampf wurde seine Tochter eingeschult. „Da dabei zu sein, habe ich mir nicht nehmen lassen“, sagt Schierack. Ansonsten allerdings achtet der Mediziner darauf, seine Familie aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Und auch die heimische Arztpraxis, in der der Landtagsabgeordnete immer noch praktizierte, und die Honorarprofessur an der Brandenburgischen Technischen Universität in Senftenberg müssen vorerst kürzer treten. „Als Professor habe ich den medizinischen Part in der Ausbildung von Medizintechnikern übernommen“, sagt Schierack.

Doch der Lehrauftrag sorgte auch dafür, dass Schierack der Streit um die Fusion der alten Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus und der Fachhochschule Lausitz stets besonders am Herzen liegt. „Die von der CDU dagegen eingereichte Normenkontrollklage ist immer noch vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig.“

Und mancher in Potsdam kann sich den CDU-Herausforderer deswegen auch gut als Minister für Wissenschaft und Gesundheit in einem rot-schwarzen Kabinett vorstellen – Schierack selbst allerdings lässt keinen Zweifel daran, dass er Ministerpräsident werden will. „Wir wollen rot-rot ablösen“, sagt Schierack – und kritisiert im selben Atemzug, dass sich Ministerpräsident Dietmar Woidke schon seit Wochen vor Diskussionsrunden drückt, an denen auch Schierack teilnimmt. „Wer Woidke wählt, wählt auch die Linke in die Regierung“, sagt Schierack kämpferisch – und strahlt dabei wieder über das ganze Gesicht. Die Pointe ist dem Herausforderer gelungen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen