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Frust um Schallschutz : Der Fluglärm und die Wutbürger

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Um den vom neuen Großflughafen zu erwartenden Fluglärm zu absorbieren, werden die Wände verstärkt. Doch eine Entschädigung für den dadurch geringer werdenden Wohnraum oder den notwendigen Neuerwerb von Möbeln sollen die Betroffenen nicht erhalten.

„Nehmen Sie ein kleines Reihenhaus, wo schon im ersten Stock die Dachschräge beginnt“, sagt Sigrid Zehntgraf-Gerlach. „Da kommen jetzt zehn oder fünfzehn Zentimeter Dämmaterial vor diese Wand – da kann es dann passieren, dass der Schlafzimmerschrank, der bislang perfekt in den Raum passte, plötzlich in ein Fenster ragt.“ Die Fluglärmgegnerin aus Blankenfelde-Mahlow schildert eine so genannte „Innendämmung“: Um den vom neuen Großflughafen zu erwartenden Fluglärm zu absorbieren, werden die Wände verstärkt.

Doch eine Entschädigung für den dadurch geringer werdenden Wohnraum oder den notwendigen Neuerwerb von Möbeln sollen die Betroffenen nicht erhalten.
Es sind Beispiele wie diese, die in der Umgebung des geplanten Großflughafens BER zu einer soliden Wut der Anwohner auf Flughafengesellschaft und Politik geführt haben. Gestern waren sie Thema einer mehrstündigen Anhörung im Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags.

Und der Abteilungsleiter für den Schallschutz der FBB, Ralf Wagner, bestätigte manche Vorwürfe der Bürgerinitiativen: Im BER-Umfeld könne es in der Tat Innendämmungen von zehn bis fünfzehn Zentimetern Dicke geben. „Zur Wertminderung durch die Innendämmung wird es keinen Ausgleich geben“, sagte Wagner. Und die Vorwürfe mancher Vertreter der Bürgerinitiativen wurden noch heftiger: „Es gibt Bürger, die beim Thema Schallschutz den Verdacht willkürlichen Handels haben“, sagt Eckhard Bock vom Fluglärmbündnis Südost. „Ich kann diesen Verdacht nicht entkräften.“

Dagegen betonte der Noch-Flughafenchef Hartmut Mehdorn, dass es beim Schallschutz deutliche Fortschritte gebe. Und das ist auch nötig – denn am 2. Mai will die Flughafengesellschaft bekanntlich mit der Sanierung der nördlichen Start- und Landebahn beginnen, und für den laufenden Flugbetrieb erstmals die Südbahn des BER nutzen.

Doch aus dem gestern im Ausschuss vorgelegten Schallschutzbericht der Flughafengesellschaft geht hervor, dass gut zwei Monate vor diesem Datum gerade zehn Prozent der Häuser, die dann vom Fluglärm betroffen wären, über den nötigen Schallschutz verfügen. 3  600 Anwohner hätten zwar mittlerweile Bescheide zur Kostenübernahme erhalten – doch die fünf von der Flughafengesellschaft empfohlenen Firmen sind auf Monate ausgelastet. Das steht in scharfem Widerspruch zu Aussagen aus der Potsdamer Regierungskoalition, den Betrieb auf der Südbahn erst nach Umsetzung des Schallschutzes zu beginnen.

Nur am Rande des Ausschusses wurde dagegen über andere, für den BER höchst relevante Themen gesprochen: die Äußerungen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, wonach es auf der kommenden Sitzung des Aufsichtsrates möglicherweise noch kein Nachfolger von Mehdorn ernannt werde, und zudem statt einer zügigen Erweiterung des BER der Flughafen Leipzig/Halle als zweiter Flughafen für Berlin in den Blick genommen werden sollte. „Leipzig ist keine Option“, sagte Mehdorn dazu. „Wer von und nach Berlin fliegen will, fliegt ab Berlin.“ Beim Start des Flughafens werde der BER vermutlich 34 Millionen Passagiere haben. Anschließend habe man noch zweieinhalb Jahre Zeit für eine Kapazitätserweiterung.

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