Flughafen Schönefeld : Der Anti-Mehdorn

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Flughafenchef Nummer drei in drei Jahren: Karsten Mühlenfeld macht wenig Wirbel und erstmals schöpfen Politiker vertrauen

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17. Juni 2015, 14:59 Uhr

Als er sein Chefbüro bezieht, steht alles schon fest: Wer was baut, wie es zu bauen ist und wann es fertig zu sein hat. Es gibt Chefs mit mehr Bewegungsfreiheit als Karsten Mühlenfeld, der seit 100 Tagen (Stichtag 23. Juni) auf einem der gefürchtetsten Managerposten der Republik sitzt:  dem Vorsitz der Geschäftsführung der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft. So kann man es sehen.

Man kann es aber auch anders sehen: Mühlenfelds eigentliche Aufgabe ist eine andere, und er füllt sie in den ersten Monaten ganz anders aus als sein umtriebiger Vorgänger Hartmut Mehdorn. Sachlich und auf Ausgleich bedacht, aber auch ohne große neue Pläne und Visionen. „Nicht dass da Verzögerungen entstehen, weil umgeplant wird“, warnt Mühlenfeld. „Wir müssen jetzt erstmal fertigbauen.“ Damit rückt er Überlegungen Mehdorns auf der Tagesordnung nach hinten, den Flughafen frühzeitig zu erweitern und ans unfertige Terminal anzubauen.

Im Sommer 2016 – wenn das bisher Geplante fertig gebaut ist und getestet wird – soll ein zusätzliches Terminal geplant werden, ein einfacher Behelfsbau, mehr erstmal nicht. Denn dass der Berliner Luftverkehr wächst und der drittgrößte deutsche Flughafen zu klein geplant ist, hat sich mit dem Wechsel von Mehdorn zu Mühlenfeld nicht geändert.

Bei seinen ersten Auftritten wirkt der Maschinenbauer mit dem Bürstenschnitt mitunter etwas aufgekratzt. Seine Sätze, schnell dahinberlinert, kommen leichtfüßig rüber, auch mal flapsig. Das überdeckt, dass der 52-Jährige die Herausforderungen auf der berüchtigten Baustelle sehr nüchtern betrachtet und gedankenschnell argumentiert.

Mühlenfeld überlegt sich gut, was er sagt, hält den Flughafen damit aus den Schlagzeilen. Anders als der streitlustige Mehdorn, der immer wieder mit den Kopf durch die Wand wollte – bis der Bund Headhunter beauftragte, einen Nachfolger zu finden.

„Guter Start auf schwierigem Terrain“, quittiert der amtierende Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. „Es gibt nicht viel zu meckern“, gibt auch Martin Delius (Piratenpartei) zu, der Vorsitzende des Berliner Flughafen-Untersuchungsausschusses. Er hält dem 52-Jährigen zugute, dass er Ruhe in das Projekt brachte und den Vorgaben des Aufsichtsrats folgt – was in normalen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist.

Das Umfeld ist schon seit einigen Monaten zufriedener. Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (parteilos) lobte vor Wochen: „Wir haben den Eindruck, dass die Zusammenarbeit sehr viel besser geworden ist in letzter Zeit.“ Der zuständige Landrat, Stephan Loge, dessen Bauordnungsamt den Flughafen abnimmt, sagt: „Wir sind jetzt langsam in der Gewohnheit, dass Termine eingehalten werden.“

Das aber hat vor allem mit Technikchef Jörg Marks zu tun, der seit August für die Baustelle zuständig ist. Mühlenfeld soll das Projekt vor allem nach außen vertreten – und damit auch das Umfeld befrieden.

Eins fehlt den Politikern im Aufsichtsrat jedoch, seit Mühlenfeld im Amt ist:  ein Prellbock für die öffentliche Kritik. Mehdorn zog gern alle Pfeile auf sich, während die Aufseher in Deckung gingen. Der Neue bietet bisher kaum Angriffsfläche. Als durchsickert, dass der Bund in Brüssel vorsorglich schon den Weg für weitere Mehrausgaben ebnet, kommt es daher prompt zum offenen Streit zwischen den Eigentümern Bund, Berlin und Brandenburg.

„Man muss ein dickes Fell haben“, weiß Mühlenfeld schon vor seinem Amtsantritt. Als ein Interviewer fragt, ob er seine Hand für eine Eröffnung des Flughafens im zweiten Halbjahr 2017 ins Feuer lege, lacht der Berliner nur und sagt: „Meine Hände sind mir wichtig.“

Burkhard Fraune

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