Krise in Kliniken : Dem Land gehen die Hebammen aus

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Branche leidet unter Nachwuchsmangel und hohen Versicherungsprämien

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24. Juni 2015, 22:00 Uhr

„In Brandenburg haben wir noch 360 aktive Hebammen“, sagt die Vorsitzende des Hebammenverbands Brandenburg, Martina Schulze gestern im Gesundheitsausschuss des Potsdamer Landtags. Und wie überall in Deutschland leiden die Geburtshelferinnen unter der hohen Prämie für die vorgeschriebene Haftpflichtversicherung: „Zum 1. Juli beträgt die Prämie 6472 Euro pro Jahr, 1981 waren es noch umgerechnet 30 Euro.“

Schuld daran sind die immer höheren Schmerzensgelder, die die Gerichte den Opfern von Geburtsfehlern zuerkennen, sagt Schulze. Die Geburten lohnten sich kaum noch. Doch während dieses Problem seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit bekannt ist, macht Schulze noch auf eine weitere Notlage aufmerksam: Die Hebammen des Landes überaltern. „Ein Großteil der Kolleginnen wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen“, sagt Schulze. Doch nur alle drei Jahre startet an Brandenburgs einziger Hebammenschule am Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum ein neuer Kurs. „Man sollte wirklich darüber nachdenken, das jedes Jahr zu machen.“

Auch am Kreiskrankenhaus in Perleberg kennt man die Lage. Derzeit sind dort drei Hebammen beschäftigt. Die Prignitzer Klinik sucht bereits Nachfolgerinnen. Bisher ohne Ergebnis, so Geschäftsführer Karsten Krüger.
Die Brandenburger Landtagsabgeordneten zeigten gestern weitgehend Verständnis für die Situation der Hebammen. Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) gesteht sogar ein, „relativ frustriert“ zu sein, weil sich auf der Bundesebene an der Situation der Hebammen nichts ändere. Und auch Gesundheitsstaatssekretärin Almut Hartwig-Tiedt (Linke) verweist darauf, dass sich die Länderkammer, der Bundesrat, schon mehrfach im Sinne Brandenburgs positioniert habe, ohne dass sich auf der Bundesebene etwas ändere.

Die Abgeordneten wollen deswegen die Probleme der Hebammen in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zur Sprache bringen – der freilich ebenfalls seit Jahr und Tag mit dem Thema befasst ist, doch das Problem der Haftpflichtversicherungen bislang nicht abschließend lösen konnte.

Benjamin Lassiwe

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