Smartphone-App: : Datenschützer warnt vor Fitness-Spionage

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Private Krankenversicherungen wollen im großen Stil persönliche Fitness-Daten ihrer Kunden sammeln und locken dafür mit großzügigen Rabatten. Über eine Smartphone-App sollen Versicherungsnehmer sportliche Aktivitäten sowie Daten zu Ernährung und Lebensstil erfassen.

svz.de von
02. Dezember 2014, 15:37 Uhr

Private Krankenversicherungen wollen im großen Stil persönliche Fitness-Daten ihrer Kunden sammeln und locken dafür mit großzügigen Rabatten. Über eine Smartphone-App sollen Versicherungsnehmer unter anderem Vorsorgetermine dokumentieren und sportliche Aktivitäten sowie Daten zu Ernährung und Lebensstil erfassen und an das Versicherungsunternehmen weiterleiten. Dafür gibt es niedrigere Tarife, Gutscheine und Geschenke.

„Ich rate aus mehreren Gründen dazu, solche Angebote links liegen zu lassen“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landesdatenschutzbeauftragter Reinhard Dankert (SPD). „Anhand dieser Instrumente wird die weitere Ökonomisierung unserer Lebensdaten betrieben“, so der Datenschützer. Die Fitness-Apps für Krankenkassen seien „der nächste Schritt zur Entmündigung 2.0“. Nachteile hätten beispielsweise jene, die keine oder nichtnormgerechte Daten liefern würden. Dankert fordert von der Politik, Grenzen zu ziehen für derartige Geschäftsmodelle.

Auch Ärzte warnen. „Wir sehen diese Entwicklung sehr kritisch, weil dieses Datensammeln zu einer Risikoselektierung führen kann“, sagte der Vizepräsident der Landesärztekammer, Dr. Wilfried Schimanke, gegenüber unserer Redaktion. Den Versicherungen gehe es bei diesen Geschäftsmodellen in erster Linie darum, für sich selbst Risiken zu minimieren. Dies könne in drei bis fünf Jahren zur Folge haben, dass Versicherungsverträge für bestimmte Bevölkerungsgruppen abgelehnt würden. Kunden mit gesundheitlichen Risiken müssten mit höheren Tarifen rechnen.

Julian Barlen, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Schweriner Landtag sagte, Fitness-Apps könnten in der persönlichen Nutzung einen positiven Beitrag zur Motivation bei Sport und gesunder Lebenweise leisten. Doch auch er hält das Datensammeln der Versicherungen für unsolidarisch und datenschutzrechtlich problematisch. Generali will als erster großer Versicherer künftig Fitness-Daten seiner Kunden sammeln. In zwölf bis achtzehn Monaten sollen die Angebote in Deutschland erhältlich sein. Rein rechtlich sind solche Versicherungskonzepte möglich. Die Versicherten liefern ihre Daten freiwillig und es herrscht Vertragsfreiheit.

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