Stallpflicht : Das große Schlachten beginnt

Stallpflicht in Brandenburg hat Folgen / Gänsezüchter besonders betroffen

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01. Dezember 2014, 15:44 Uhr

Als Reaktion auf die seit rund einer Woche geltende Stallpflicht haben Gänsezüchter einen Großteil ihrer Tiere geschlachtet. Finanzielle Einbußen befürchtet jedoch kein Halter. Geflügelgroßbetriebe erhöhen derweil die Sicherheitsvorkehrungen.
Uwe Riest klingt zufrieden. Die Vogelgrippe-Gefahr, die Behörden in mehreren Bundesländern alarmiert hat, kann den Eigentümer von Gut Boltenhof (Oberhavel) nicht erschüttern.

„Meine Gänse sind im Stall gut untergebracht, Futter habe ich als Landwirt reichlich“, sagt Riest. 100 Tiere hält der Bio-Bauer, die sonst fast nur auf der Weide zu finden sind. Die Hälfte wurde für Weihnachten vorbestellt, sagt er. Ein vorzeitiges Schlachten kommt für ihn nicht in Frage. Denn die Kunden würden frische Ware bevorzugen.
Andere Gänsezüchter haben ihre Tiere bereits kurzfristig geschlachtet. „Wir haben sämtliche Kunden angerufen, ob sie die Gans auch schon vorher abnehmen würden“, sagt Cindy Ruden, die mit ihrer Familie einen bäuerlichen Betrieb in Krampnitz bei Potsdam betreibt. „Das Risiko einer Ansteckung war uns zu groß.“ Ohnehin sei eine Stallhaltung für Gänse problematisch. „Die kann man nicht ständig einsperren, sie würden sich gegenseitig attackieren.“
Ähnliches ist auch vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft zu hören. „Viele haben die erst in einigen Wochen geplante Schlachtung vorgezogen“, berichtet Landesgeschäftsführerin Katherina Wolfhart. Die Saison habe ohnehin schon am Martinstag begonnen. Von finanziellen Verlusten für Brandenburger Halter ist dem Verband bislang nichts bekannt.

„Es ist unfassbar, was eine tote Krickente in Deutschland auslöst“, sagt dagegen Lorenz Eskildsen, Chef des Bundesverbandes Bäuerliche Gänsehaltung in Anspielung auf den Fund einer verendeten Wildente auf Rügen, bei der Vogelgrippe-Erreger nachgewiesen wurden. Er fordert Übergangslösungen für seine Kollegen, da nicht alle über Stallkapazitäten verfügten.
In der Prignitz gilt seit Ende letzter Woche die Stallpflicht. Es muss sichergestellt werden, dass die Tiere keinen Kontakt zu Wildvögeln haben. Veterinärämter sind intensiv mit den Kontrollen befasst. „Unsere Kollegen im Außendienst hören in den Dörfern sehr schnell, wer sich nicht daran hält“, sagt die stellvertretende Amtstierärztin von Oder-Spree, Petra Senger. Nach einer Verordnung des Verbraucherschutzministeriums gilt die Stallpflicht im Land überall dort, wo Wildvögel rasten, und in Gebieten, in denen viel Nutzgeflügel gehalten wird.


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