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Deichgraf : Das Ende einer Ära

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der ehemalige Ministerpräsident Matthias Platzeck verlässt den Landtag.

Sein Platz war eigentlich auf der Regierungsbank. Fast 25 Jahre lang gehörte Matthias Platzeck (SPD) den Brandenburger Kabinetten an. Als Umweltminister, vor allem aber von 2002 bis 2013 als Ministerpräsident. Nur in den letzten Monaten, seit er das Amt des Ministerpräsidenten im Sommer an Dietmar Woidke (SPD) übergeben hatte, war er einfacher Abgeordneter des Potsdamer Landtags.

Auch das ist nun vorbei: So wie der frühere Innenminister Alwin Ziel (SPD) und Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) scheidet Platzeck mit dem Ende der Legislaturperiode aus dem Landtag aus. Wenn es im Herbst nicht noch eine Sondersitzung gibt, saß Platzeck am Freitag zum letzten Mal auf seinem Stuhl in der zweiten Reihe der SPD-Fraktion.

In der Brandenburger Politik endet damit eine Ära. Als Deichgraf wurde Platzeck beim Oderhochwasser 1997 bundesweit bekannt, später setzte er sich nachhaltig für den Hochwasserschutz ein. Dass Brandenburg im vergangenen Jahr so gut wie keine Schäden durch das Elbehochwasser verzeichnen musste, ist eine Folge davon.

Ob ein anderes Erbe Platzecks fortgesetzt wird, wird sich nach den Wahlen im September zeigen. Es waren Matthias Platzeck und die ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken, Kerstin Kaiser, die die erste rot-rote Koalition in Brandenburg zustande brachten. Heute sind beide nicht mehr in Amt und Würden – aber die Chemie stimmt weiterhin. Zu Beginn der letzten Plenartage sah man beide Altgedienten in der letzten Reihe des Plenarsaals im vertraulichen Gespräch.

Ein mittlerweile seltener Anblick, denn Matthias Platzeck hat sich in den letzten Plenartagen rar gemacht. Keine Reden, keine Anfragen und eher zufällig nahm er an namentlichen Abstimmungen teil. Auch als am Freitag der Abschlussbericht des Sonderausschusses BER debattiert wurde, hielt sich Platzeck zurück – obwohl er sein politisches Schicksal einst an das Gelingen des Flughafens geknüpft hatte. Es „passt nicht, Anfragen an Minister zu stellen, die ich noch selbst berufen habe, oder Reden im Parlament zu schwingen“, sagt Platzeck heute. Alles, was für seinen Wahlkreis in der Uckermark noch an Arbeit anfiel, klärte der Alt-Ministerpräsident hinter den Kulissen.

Doch die Zurückhaltung im Landtag heißt nicht, dass sich Platzeck künftig in Potsdam rar machen wird. Als Aufsichtsratsmitglied des Potsdamer Oberlinhauses und der Babelsberger Filmstudios bleibt er der Landeshauptstadt erhalten. Und als Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums übt er sich in diesen Tagen in Diplomatie. Zusammen mit dem Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Klaus Ness war er in der vergangenen Woche in Russland unterwegs, um für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung und in Absprache mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier Kontakte zu pflegen.

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