zur Navigation springen

Schulamt : Dann eben in Containern ...

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Bürokratie sollte abgebaut werden, die Schulaufsicht verbessert werden. Noch im Januar blickte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) positiv auf die geplante Reform des Landesschulamtes.

Die Bürokratie sollte abgebaut werden, die Schulaufsicht verbessert werden. Noch im Januar blickte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) positiv auf die geplante Reform des Landesschulamtes: Zum ersten Oktober sollten die Schulämter in Eberswalde, Perleberg, Wünsdorf, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg (Havel) aufgelöst werden. Stattdessen sollte ein Landesamt für Schule und Lehrerbildung mit Sitz in Potsdam sowie Regionalstellen in Neuruppin, Frankfurt (Oder), Cottbus und Brandenburg an der Havel entstehen.

„Mit dieser Struktur kann sich die regionale Schulaufsicht deutlich besser auf die Anforderungen der kommenden Jahre vorbereiten: die Sicherung der Unterrichtsqualität und der Lehrerversorgung“, sagte Martina Münch im Januar.

Eineinhalb Monate, bevor die neue Behörde ihren Betrieb aufnehmen soll, ist davon nicht mehr viel geblieben. Vielmehr scheint sich das Reformprojekt zu einem weiteren Fiasko der Bildungsministerin zu entwickeln.

Nachdem Münch bereits mit dem Versuch scheiterte, ihre Büroleiterin als erste Direktorin der neuen Einrichtung zu installieren, fehlt es nun auch an geeigneten Räumlichkeiten: Eine eigentlich als Sitz des Landesschulamtes geplante ehemalige Kaserne in Potsdam steht nicht zur Verfügung. Stattdessen sollen zunächst 40 Mitarbeiter der Behörde teils in Containern auf dem Gelände der Landesregierung an der Heinrich-Mann-Allee in Potsdam arbeiten, teilte die Sprecherin des für die Landesliegenschaften zuständigen Finanzministeriums, Ingrid Mattern, gestern in Potsdam mit.

Im Herbst 2015 würden dann Arbeitsplätze für weitere 40 Mitarbeiter geschaffen. „Wenn es nicht so tragisch wäre, müsste man darüber lachen“, sagt der FDP-Bildungspolitiker Andreas Büttner. „Wieder einmal ist Martina Münch mit einer über das Knie gebrochenen Aktion gescheitert – und versucht nun, mit allen Mitteln die Reißleine zu ziehen.“

Gegenüber dieser Zeitung erinnerte Büttner an die zahlreichen Proteste, die es gegen die Gründung des neuen Schulamtes gab – etwa von Mitarbeitern des Schulamtes Eberswalde, die auf die längeren Entfernungen von der Uckermark zur neuen Außenstelle in Frankfurt (Oder) verwiesen.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Marie-Luise von Halem, nannte die Containerlösung „die nächste Panne dieses ohnehin vermurksten Reformvorhabens“. Münch habe nie plausibel erklären können, warum die Zusammenlegung der Schulämter überhaupt erforderlich sei. „Ohne ein schlüssiges Konzept, ohne Führung und ohne ein Dach über dem Kopf kann ein Landesschulamt nichts für die Qualität in der Bildung beitragen“, sagt der CDU-Spitzenkandidat Michael Schierack. „Bei dieser beispiellosen Reihe von Pannen und handwerklichen Fehlern muss jetzt die Reißleine gezogen werden.“

Und der Prignitzer CDU-Bildungspolitiker Gordon Hoffmann erinnerte daran, dass das Schulamt in Perleberg zu günstigen Bedingungen in den Räumen des Kreises untergebracht war. „Die Schließung des Schulamtes in Perleberg ist jetzt erst Recht zu einem Schildbürgerstreich der übelsten Sorte geworden.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen