Nauen : Beweis: Brandstifter legten Feuer

Spezialisten fanden Spuren eines Brandbeschleunigers.
Spezialisten fanden Spuren eines Brandbeschleunigers.

Schwerster Anschlag auf Asylunterkunft seit 1992 / Keine Spur von den Tätern

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26. August 2015, 14:25 Uhr

Nach dem Feuer in einer geplanten Notunterkunft für Flüchtlinge in Nauen hat sich der Verdacht auf vorsätzliche Brandstiftung bestätigt. „Es handelt sich um einen gezielten Anschlag“, erklärte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) gestern. Die Ermittler hätten Spuren von Brandbeschleunigern festgestellt. Der Einsatz eines Spürhundes habe dies bestätigt. In Nauen war in der Nacht zum Dienstag eine Sporthalle abgebrannt, in der 100 Asylsuchende vorübergehend einquartiert werden sollten.

Die Polizei habe am Brandort weiteres Beweismaterial sichern können, das eindeutig auf Brandstiftung hindeute, berichtete Schröter weiter. Einen konkreten Tatverdacht gegen eine bestimmte Person gebe es bislang nicht. Damit ist auch nicht klar, ob es ein Anschlag von Rechtsextremisten war. „Wir gehen aber von einer fremdenfeindlichen Motivation aus“, sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker. „Ein anderer Hintergrund ist auch kaum vorstellbar.“ Polizeisprecherin Ingrid Schwarz berichtete, bislang seien keine Bekennerschreiben bei der Polizei eingegangen. Auch seien an dem Brandort keine Parolen an Wände geschmiert worden, die auf die Täter hätten hindeuten können.

Derzeit ermittelt eine Sonderkommission mit 30 Beamten im Umfeld des Brandorts und wertet Videomaterial aus. Zum konkreten Ermittlungsstand äußerte sich der Minister nicht. Die Spurensicherung am Brandort ist nach Angaben des Ministeriums abgeschlossen.

„Es handelt sich um den schwersten Anschlag auf eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge in Brandenburg seit über 20 Jahren“, sagte der Innenminister. 1992 war ein bezugsfertiges Asylbewerberheim in Dolgenbrodt (Dahme-Spreewald) vorsätzlich in Brand gesteckt und zerstört worden. „Wir werden alles daran setzen, den oder die Täter zu finden und ihrer gerechten Strafe zuzuführen“, sagte der Minister.


Flüchtlinge in Parchim bedroht


Dienstagabend kam es auch in Parchim zu einem Vorfall im dortigen Flüchtlingsheim. Zwei betrunkene Männer sollen gegen 21.50 Uhr auf dem Gelände der Unterkunft für Kriegsflüchtlinge aufgetaucht sein – der eine davon mit einem Messer mit einer über 20 Zentimeter langen Klinge. Auch Feuerwerkskörper hätten sie dabei gehabt.

Die benachrichtigte Polizei nahm die Männer fest. Schon gestern ordnete ein Richter ein Verfahren gegen sie an. Der eine Mann soll der Polizei bekannt sein, da er früher bereits Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen verwendet hatte.

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