Flüchtlingsdebatte : Bei Asylbewerbern TBC-Fälle übersehen

Ärzte in der Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt hoffnungslos überfordert

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26. August 2015, 14:28 Uhr

In der Brandenburgischen Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt wurden offenbar mehrere Tuberkulosefälle von Asylbewerbern übersehen. Erkrankte Familien seien nach ihrer Verteilung auf die Kommunen in der Sprechstunde von Hausärzten erschienen, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Hans-Joachim Helmig, gestern in Potsdam. Die Ärzte in Eisenhüttenstadt seien derzeit hoffnungslos überfordert. „Eigentlich ist es Aufgabe der Gesundheitsämter, Tuberkulose-Patienten zu betreuen“, sagte Helmig. „Diese Patienten müssen von Fachärzten versorgt werden.“

Helmig erinnerte daran, dass Brandenburg heute schon die geringsten Arztzahlen pro Einwohner habe. Zu den normalen Patienten kämen nun noch Asylbewerber, die deutlich mehr Aufwand verursachten, als einheimische Patienten. „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Asylbewerber in unseren Praxen behandelt“, sagte Helmig. „Das ging mehr recht und schlecht, aber es ging, weil deren Zahl sehr überschaubar war.“

Pro Asylbewerber müsse man mit einer halben Stunde Zeitaufwand rechnen. Das sprenge jeden normalen Praxisablauf. Die Bestenseer Ärztin Karin Klöpper verwies darauf, dass es schon heute schwer sei, Termine bei Kardiologen, Neurologen oder Augenärzten zu erhalten. Ähnlich sei es bei der Psychotherapie. „Aber nahezu jeder Flüchtling, der zu uns kommt, braucht solche Behandlung.“

Chipkarte keine Lösung für die Probleme

Kritisch äußerten sich die Vertreter der niedergelassenen Ärzte zu der von Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) geforderte Einführung einer Chipkarte zur gesundheitlichen Versorgung von Asylbewerbern. „Für die Kommunen sind mit der Ausgabe der Chipkarte die Probleme vom Tisch“, sagte Helmig. Die Versorgungsprobleme im Land würden auf diese Weise nicht gelöst. Die Chipkarte werde lediglich dazu führen, dass die Versorgungsprobleme „mit doppelter Wucht bei der Ärzteschaft aufschlagen“. 

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