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EU verlangt besseren Gewässerschutz : Bauern verärgert über Düngeverbot

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Auf Brandenburgs Landwirte kommen höhere gesetzliche Auflagen für das Düngen zu.

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2015 | 22:00 Uhr

Auf Brandenburgs Landwirte kommen höhere gesetzliche Auflagen für das Düngen zu. Der Bauernverband reagiert verärgert und befürchtet finanzielle Einbußen. Umweltschützer sind mit dem Entwurf ebenfalls nicht einverstanden. Ihnen geht er nicht weit genug.

Grund für die Korrekturen ist ein Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Union gegen Deutschland. Die Nitratbelastung von Grundwasser und Gewässern – vor allem hervorgerufen durch zu viel Stickstoffdünger – sei zu hoch, monierte die EU-Kommission. Das Agrar- und das Umweltministerium auf Bundesebene haben nun einen gemeinsamen Entwurf zur Novelle der Düngeverordnung vorgelegt.

Neu ist etwa, dass der Zeitraum für die Ausbringung von organischem Dünger um einen Monat verringert wird: Die Sperrfrist beginnt künftig am 1. Oktober statt am 1. November. Der Hintergrund: Viele Pflanzen können Nährstoffe im Herbst nicht mehr komplett aufnehmen, die dann ins Grundwasser gespült werden. Die Gesamtmenge von Gülle und Mist soll bei 175 Kilogramm Stickstoff je Hektar im Durchschnitt eines Betriebes bleiben. Aber künftig werden in diese Summe auch Gärreste aus Biogasanlagen einberechnet. Gülle darf nach der Sperrzeit erst ab Februar wieder aufs Feld, jedoch nur, wenn der Boden nicht gefroren ist. Ab 2018 soll zudem die Phosphatdüngung stärker begrenzt werden.


Bauernverband fürchtet Ertragsverlust


Mit der längeren Sperrzeit muss die bei der Tierhaltung entstehende Gülle länger gelagert werden. Die Agrarbetriebe müssen dafür in zusätzliche Lagerkapazitäten investieren oder die Zahl ihrer Tiere verringern. Das ist ein Grund, warum der Landesbauernverband Brandenburg den Entwurf einen „faulen Kompromiss“ nennt. „Die notwendigen Investitionen werden die Tierhalter enorm belasten“, warnt Hauptgeschäftsführer Wolfgang Scherfke. Die längere Sperrfrist „jenseits von guter fachlicher Praxis“ sei ärgerlich und unnötig. „Wir überdüngen nicht“, versichert Scherfke. Die neuen Auflagen würden zu Ertragsverlusten führen. All das schade märkischen Betriebe im internationalen Wettbewerb.

Der Naturschutzbund Brandenburg sieht die Sache anders. Der Entwurf sei eine „Überdüngungsverordnung“ und sichere den Fortbestand der Tierfabriken, kritisierte der Ökotoxikologe Werner Kratz. Man nehme damit zudem weiteres Artensterben sowie Belastungen für das Trinkwasser in Kauf. Das wichtige Ziel, die Nitratbelastung deutlich zu senken, werde verfehlt. Kratz geht deshalb davon aus, dass der vorliegende Entwurf von Brüssel abgelehnt wird.

Der Entwurf hat sogenannte Öffnungsklauseln für die Bundesländer. Wo Böden besonders stark belastet sind, können die Düngemengen weiter begrenzt werden. Die Landesregierung prüfe derzeit den Entwurf, hieß es gestern aus dem Agrarministerium in Potsdam. Ab wann die neuen Regeln gelten, ist noch offen.

 

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