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Demokratie lernen : Aus Syrien in den Landtag

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Noch vor zwei Jahren hatte Abdullah Hassoun keine Ahnung, wo Potsdam liegt.

von
erstellt am 19.Okt.2015 | 10:00 Uhr

Noch vor zwei Jahren hatte Abdullah Hassoun keine Ahnung, wo Potsdam liegt. Mittlerweile aber weiß er, was die Kreisgebietsreform ist und wie der Brandenburger Landtag funktioniert. Denn der 17jährige Syrer, der als Kontingentflüchtling nach Deutschland gekommen ist, absolvierte in den letzten Wochen ein mehrwöchiges Praktikum bei der Landtagsfraktion der CDU.

„Ich komme ursprünglich aus Homs“, sagt Abdullah Hassoun. Dort kulminierten Anfang 2011 die Proteste gegen die Regierung von Baschar al Assad. Als kleine Kinder „Wir wollen Frieden“ an die Wand eines Hauses schrieben, wurden sie von der Polizei verhaftet. „Sie haben ihnen die Nägel ausgerissen, sie geschlagen und getötet“, sagt Abdullah Hassoun. Als er auf dem Weg zur Schule die Leichen zweier Männer sah, denen die Köpfe abgeschlagen worden waren, entschloss sich seine Familie zur Flucht. Zunächst in den Libanon, dann nach Ägypten, wo eine Tante lebt. Und schließlich zu Verwandten nach Deutschland. „In Ägypten hatten wir Arbeit, aber wir wurden ausgenutzt“, sagt Hassoun. „Als Syrer, deren Notlage bekannt war, bekamen wir für harte Arbeit nur etwa 50 Euro im Monat – davon kann man dort nicht leben.“

In Berlin hat Abdullah Hassoun eine Willkommensklasse besucht. Nun geht er in die 9. Klasse einer Oberschule, und wird von der katholischen Kirchengemeinde Sankt Laurentius unterstützt. Freunde der Gemeinde besorgten ihm das Praktikum bei der CDU, auch in die „Junge Union“ ist Abdullah Hassoun schon eingetreten. „Ich finde es spannend, zu sehen, wie die Demokratie funktioniert“, sagt Hassoun. Vielleicht will er eines Tages Polizist werden, auf jeden Fall aber will er sich politisch engagieren. Das freut auch die CDU-Fraktion, der Abudllah auch in einer Präsentation von der Situation in seiner Heimat berichtet hat. „Wir bieten regelmäßig Schülern die Möglichkeit, bei uns für ein paar Wochen die Abläufe einer Parlamentsfraktion kennenzulernen“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Redmann. „Wir haben uns sehr gefreut, dass sich mit Abdullah erstmalig auch ein syrischer Bürgerkriegsflüchtling bei uns um einen Praktikumsplatz beworben hat.“ Gemeinsam habe man drei bereichernde Wochen miteinander verbracht. „Abdullah hat die Grundlagen unserer Demokratie besser verstehen gelernt und wir haben die Situation der Flüchtlinge durch seine ganz persönliche Geschichte von einer sehr eindrücklichen Seite erleben dürfen.“

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