Brandanschlag auf künftiges Flüchtlingsheim : Auf Heidenau folgt Nauen

Feuerwehrleute versuchten lange den Brand in der Sporthalle unter Kontrolle zu bringen. Das Gebäude war als Notunterkunft für 100 Flüchtlinge geplant.
Feuerwehrleute versuchten lange den Brand in der Sporthalle unter Kontrolle zu bringen. Das Gebäude war als Notunterkunft für 100 Flüchtlinge geplant.

Am Morgen danach breitet sich in Brandenburg Bestürzung aus. „Wir sind noch nicht hundertprozentig sicher“, sagt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf die Frage, ob es sich bei dem Feuer um die Tat von Rechtsextremen handelte.

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25. August 2015, 22:00 Uhr

Als die Feuerwehr um 2.34 Uhr anrückt, steht die Turnhalle des Oberstufenzentrums Havelland bereits in hellen Flammen. Es ist nichts mehr zu machen. Die Kameraden entscheiden sich, das Gebäude kontrolliert abbrennen zu lassen. Nauen ist zum Ort des ersten großen Brandanschlags auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Brandenburg geworden. Am Morgen danach breitet sich in Brandenburg Bestürzung aus.

„Wir sind noch nicht hundertprozentig sicher“, sagt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf die Frage, ob es sich bei dem Feuer um die Tat von Rechtsextremen handelte. „Aber alles andere wäre wohl ein sehr großer Zufall.“ Entsprechend deutlich verurteilt Woidke die Geschehnisse der Nacht: Sie seien „eine Schande für unser Land“ und schadeten dem Ansehen Brandenburgs. „Wir werden uns durch solche Brandstifter nicht davon abbringen lassen, Menschen, die in Not geraten sind, in Brandenburg vernünftig unterzubringen“, sagt Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD).

Nauen freilich stand schon in den vergangenen Monaten für eine immer gewalttätigere rechtsextreme Szene. Das Parteibüro der dortigen Landtagsabgeordneten der Linken, Andrea Johlige, wurde gleich mehrfach Opfer von Anschlägen. Bürgerversammlungen zur geplanten Asylbewerberunterkunft eskalierten, im Februar musste deswegen sogar der Saal geräumt werden. Der Verein Opferperspektive teilte gestern mit, dass die Zahl der rechtextremen Gewalttaten in Brandenburg bis Ende Juli schon das Niveau des gesamten Vorjahres erreicht hätten. „Ich hoffe und erwarte, dass alle demokratischen Parteien sich eindeutig und ohne Relativierungen im Sinne einer menschlichen Flüchtlingspolitik positionieren“, sagt die Linken-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige.

Ein Rückschlag für die Hilfsbereitschaft

Ganz ähnlich äußert sich auch CDU-Landeschef Ingo Senftleben. Die Verantwortlichen müssten zügig ermittelt und „mit der ganzen Härte des Gesetzes“ bestraft werden. „In Brandenburg ist kein Platz für menschenverachtende Ideologie“. Und auch der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, sprach von einem „erschreckenden Rückschlag für die Hilfsbereitschaft und Offenheit der Bürgerinnen und Bürger von Nauen.“

Einzig AfD-Fraktionschef Alexander Gauland fiel mit seinen Äußerungen gestern wieder einmal aus dem Rahmen. Die AfD verurteile die Tat auf das Schärfste. „Die Verantwortung für solche Taten haben aber die gesamte Gesellschaft und in erster Linie die Politiker der Altparteien, die zur jetzigen Eskalation der Flüchtlingsproblematik beigetragen haben“, erklärte Gauland. „Eine zügige Bearbeitung der Asylanträge und eine konsequente Abschiebung abgelehnter Asylbewerber hätten schon frühzeitig die Situation in Brandenburg und auch in Nauen entspannt.“ SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz bezeichnete diese Äußerungen als „abscheulich.“ Gauland rechtfertige den fremdenfeindlichen Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft und schiebe die Verantwortung von den Tätern auf diejenigen, die Kriegsflüchtlingen helfen und sie willkommen heißen wollen. „Das ist eine neue radikale Qualität, die wir in Brandenburg so bisher nicht kannten.“

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