zur Navigation springen

Forst : Als Jüngster ins Bürgermeisteramt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Am Mittwoch übernimmt Philipp Wesemann die Leitung der Stadtverwaltung Forst

von
erstellt am 05.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Seine Heimatstadt nennt Philipp Wesemann „Forschte“. Viele Einwohner von Forst tun es ihm gleich. Die Stadt liegt in Südbrandenburg in der Nähe der Grenze zu Polen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kommt dort her. Weitere Besonderheit: Dort gibt es bald den jüngsten hauptamtlichen Bürgermeister Brandenburgs. Der SPD-Politiker Wesemann ist gerade einmal 25 Jahre alt. Viele Forster trauen ihm das Amt zu. Morgen übernimmt er das Ruder.

Wesemann kennen inzwischen viele. Der Biologie-Laborant läuft eine Straße zum SPD-Büro entlang. Ein Mann, der Plakate an eine Wand klebt, unterbricht seine Arbeit und grüßt ihn. Es wird kurz geplaudert. In der SPD-Geschäftsstelle sitzt der junge Politiker in adrettem Anzug wenig später neben einem Flip-Chart. Dort prangt sein Wahlplakat mit dem Slogan: „Forst. Neu denken“. Das Wort „Forschte“ sei Teil eines Dialekts, erläutert der dunkelblonde Wesemann. Ein sprachlicher Misch-Masch aus Berlin, Sachsen und Schlesien.

Forst mit knapp 20  000 Einwohnern steht vor riesigen Herausforderungen. Wie in einigen Städten in der Grenzregion gibt es hier viele Klagen über Diebstähle. Das Innenministerium erhöhte vor Monaten die Polizeipräsenz.

Aus DDR-Zeiten gibt es viele Plattenbauten, Rückbau ist erforderlich. „Wir haben einen großen Leerstand“, sagt Wesemann. Dann der demografische Wandel: „Wir verlieren viele Jugendliche, die woanders eine Ausbildung machen“, beklagt der künftige Bürgermeister, der sich im März in einer Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Sven Zuber durchsetzte. Der bisherige Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) war aus gesundheitlichen Gründen nicht noch einmal angetreten.

Als Stadtoberhaupt will Wesemann in den kommenden acht Jahren seine Heimatstadt, die in diesem Jahr 750. Geburtstag feiert, zu einer Wohnstadt ausbauen. Die historischen Zeiten, in denen Forst eine reiche Stadt dank ihrer Tuchfabriken war, kommen nicht wieder. Dafür sind Cottbus, Spremberg im näheren und Berlin und Dresden im größeren Umkreis. Forst könnte von dort Familien anziehen, ist Wesemann überzeugt.

Laut Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK) fehlt es in der Stadt an produzierendem Gewerbe. Auch den Abzug von Kaufkraft nach Cottbus und Polen müsse die Stadt verkraften. Daher habe sie landesweit eine der höchsten Leerstandsquoten im Einzelhandel.

Wesemann weiß, dass sein junges Alter auch negative Assoziationen hervorruft, wenn es um das Amt des Bürgermeisters geht. Er sei ab Mittwoch der jüngste hauptamtliche Bürgermeister in Brandenburg, was auch der Städte- und Gemeindebund bestätigt. Dessen Geschäftsführer Karl-Ludwig Böttcher sagt über Wesemann: „Er steigt in verdammt große Schuhe.“ Das sei aber ein gutes Zeichen. Böttcher hofft, dass mit jungen Bürgermeistern auch etwas gegen die Wahlmüdigkeit bei jüngeren Leuten getan werden kann. Ein Trend hin zu jüngeren Bürgermeistern in Brandenburg sieht er hingegen noch nicht.

Zur SPD brachte Wesemann mithin ein Mann: Gerhard Schröder. Dessen Wahlkampf um das Amt des Bundeskanzlers im Jahr 1998 habe ihn beeindruckt. „Dieses Auftreten, diese Stärke“, schwärmt Forsts künftiger Bürgermeister. 2008 trat er in die SPD ein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen