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Zur Wahl : Abschied eines Präsidenten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit dem Ende der Legislaturperiode verlässt auch Gunter Fritsch (SPD) den Landtag – eine letztes Treffen

Zehn Jahre lang war er das Gesicht des Brandenburger Landtags. Doch wenn am Sonntag die Brandenburger Wähler in den Wahlkabinen ihr Kreuzchen machen, werden sie für Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) keine Stimme mehr abgeben können. Der 72 Jahre alte frühere Landwirtschaftsminister und Landrat des Kreises Märkisch-Oderland tritt bei den Wahlen nicht mehr an.

Auf die Frage, was Gunter Fritsch im Landtag denn erreicht hat, gibt der Landtagspräsident in seinem geräumigen Büro mit dem Landeswappen und der Patenschaftsurkunde der Fregatte „Brandenburg“ eine eher selbstironische Antwort. „Ich habe zehn Jahre da gesessen, ohne dass mich jemand weggejagt hat.“

Tatsächlich genoss der Landtagspräsident fraktionsübergreifenden Respekt für seine Sitzungsleitung – auch wenn es immer wieder einmal Kritik an einzelnen Entscheidungen gab. Das Vorwort eines vom langjährigen Landtagskorrespondenten des „Neuen Deutschland“ verfassten Buches über die Enquete-Kommission zur DDR-Aufarbeitung zu schreiben, brachte ihm massiven Ärger ein. Und auch, dass Fritsch die von einer Privatperson gestifteten Glocken für das Fortunaportal des Stadtschlosses ablehnte, wurde zunächst kritisch gesehen.

Der neue Landtag dagegen wird auf Dauer mit dem Namen Gunter Fritsch verbunden sein. Vom „schäbigsten Landtag Deutschlands“ sprach Fritsch einst auf dem Brauhausberg. Dass sich eine Mehrheit der Abgeordneten für den Wiederaufbau in der historischen Fassade des Stadtschlosses aussprach, ist auch sein Verdienst – auch wenn Fritsch selbst während des Gesprächs an dieser Stelle lauthals „Quatsch!“ sagt. „Schon Landtagspräsident Herbert Knoblich hat das Thema angesprochen“, sagt Fritsch. Und ohne die Spenden von Günter Jauch und Hasso Plattner wäre das Gebäude nie zu einer Bereicherung für die Potsdamer Innenstadt geworden.

Wie sich der Landtag in seiner Zeit verändert hat? „Wir haben vor allem keine rechtsradikalen Parteien mehr im Landtag“, sagt Fritsch. „Das Land ist toleranter geworden.“ Dass die Landtagsausschüsse öffentlich tagen, und das Parlament einen eigenen Parlamentarischen Beratungsdienst hat, der die Abgeordneten mit unabhängigen Gutachten versorgt, seien ebenfalls Fortschritte in der Arbeit des Landesparlaments.

Und künftig? Wo wird Gunther Fritsch zum Beispiel am 15. Oktober sein? „Das ist ein Mittwoch“, antwortet Fritsch wie aus der Pistole geschossen. Dass weiß er, weil sich am 8. Oktober, eine Woche zuvor, der neue Landtag konstituieren soll. Aber konkrete Pläne für das Datum eine Woche später hat Gunter Fritsch noch nicht.

„In Zeuthen habe ich 2500 Quadratmeter Garten zu versorgen, da hat man immer etwas zu tun“, sagt der Landtagspräsident. Und vielleicht komme er ja wieder einmal zu seinem alten Hobby, dem Bergwandern. Vorerst aber freut sich Fritsch vor allem auf die Freizeit, die ohne den Vollzeitjob des Landtagspräsidenten auf ihn wartet.


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