Brandenburg : Bauern wollen Insektizide

Herbizide werden unter anderem vor der Ernte von Raps eingesetzt.
Herbizide werden unter anderem vor der Ernte von Raps eingesetzt.

Millionenschäden: Schädlinge lassen Rapserträge sinken

svz.de von
01. August 2016, 21:00 Uhr

Die nordostdeutsche Rapsernte fällt schlecht aus, die Bauernverbände sprechen von hohen Millionenverlusten. Neben dem Wetter haben sie einen Schuldigen ausgemacht: die EU-Kommission. Deshalb fordern die Bauernverbände von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die Rapsbeize für die Aussaat im Herbst wieder zuzulassen. Die Beize, also die Behandlung von Saatgut mit Pflanzenschutzmitteln, um die heranwachsende Pflanze vor Krankheiten sowie Schädlingen zu schützen, war vor zwei Jahren durch die Europäische Kommission eingeschränkt worden, die drei gängige Insektizid-Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonikotinoide aus dem Verkehr zog. Begründung: Schutz der Bienen. Ein Vorgehen, das etwa der Berufsimkerverband DBIB seit Jahren gefordert hatte. Die Bundesregierung dagegen hatte zwar zum Bienenschutz bereits 2009 die Zulassung der Neonikotinoiden zur Saatgutanwendung bei Mais und Getreide ausgesetzt, sah aber für Raps keine Probleme und war gegen den Beschluss.

Ob diese Beizmittel tatsächlich zum Bienensterben führen, ist umstritten. Im Juni haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Goethe-Universität Frankfurt am Main einen bisher nicht bekannten, für Bienen schädigenden Mechanismus von Neonikotinoiden, der die Larvenaufzucht von Honigbienen beeinträchtigt, beschrieben. Für den Mainzer Professor Ignatz Wessler „ein neuer Beleg für den schädigenden Einfluss von Neonikotinoiden auf Bienenvölker“. Und die Universität Bern hat in dieser Woche Forschungsergebnisse publiziert, nachdem Neonikotinoide die Fortpflanzungsfähigkeit von Drohnen, also der männlichen Honigbienen, schädigt.

Dagegen sagt der Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Kurreck, bei einem Raps-Großflächenversuch seien keine negativen Auswirkungen der Saatgutbehandlung auf Bienen festgestellt worden.

Folge ist auf jeden Fall, dass es bisher keine erlaubten Beizmittel gibt, die wirksam gegen Rapserdfloh und Kleine Kohlfliege sind. Aber gerade der Befall mit Rapserdfloh und Kohlfliege haben in diesem Jahr den märkischen Raps stark geschädigt, erklärt Sebastian Scholze, Pressesprecher des Landesbauernverband. Aus Brandenburg werden demnach insgesamt wohl nur 350  000 Tonnen Raps kommen und dies, obwohl die Anbauflächen im vergangenen Jahr um 3000 auf rund 133  000 Hektar ausgedehnt wurden. Das bedeute einen Einnahmeverlust von rund 33 Millionen Euro. „Zum Vergleich: Vor zwei Jahren, als neonikotinoide Beizen noch zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden durften, ernteten Brandenburgs Bauern auf einer kleineren Fläche mehr als 500  000 Tonnen Raps.“ Blieben die Beizmittel verboten, müsse man mit einer Verschärfung des Problems rechnen, sagt Scholze.

In Mecklenburg-Vorpommern summieren sich die Verluste der Raps-Anbauer laut Verband sogar auf 100 Millionen Euro. Präsident Detlef Kurreck fordert: „Bei der Bekämpfung der Kohlfliege im Herbst gibt es im Raps keine Alternativen. Das Anwendungsverbot für die neonikotinoide Rapsbeize in der EU muss aufgehoben werden.“

Derzeit prüft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die 2013 in den Mitteln Risiken für die Bienen sah, ausführlich die Verwendung von Neonikotinoiden. Anfang 2017 sollen Ergebnisse vorgelegt werden.

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