Agrar : Bauern gründen neuen Verein

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„Land schafft Verbindung“ organisiert sich in Brandenburg neu

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21. Februar 2020, 05:00 Uhr

Die Initiative „Land schafft Verbindung“ ist in Brandenburg nicht mehr nur eine lose Verbindung von Bauern.  Die Landwirte gründeten einen Verein, der bereits mehr als 60 Mitglieder zählt, die auf dem Gutshof Havelland in Ketzin einen Vorstand gewählt haben.

Mit dem Temnitztaler Elmar im Brahm und Thomas Essig aus Dreetz sind zwei Ostprignitz-Ruppiner im Beirat. Das Führungsduo bilden Christoph Plass aus Neuholland (Oberhavel) und Johanna Mandelkow aus Bandelow (Uckermark). „Der Norden Brandenburgs ist stark vertreten“, freut sich Thomas Essig. Aus Ostprignitz-Ruppin und der Prignitz seien viele Landwirte im neuen Verein aktiv.

„Land schafft Verbindung“ macht seit Oktober 2019 auf sich aufmerksam. Die Initiative setzt sich für die Interessen der Landwirte ein und koordinierte bundesweite Bauernproteste, bei denen Landwirte mit ihren Traktoren nach Berlin fuhren, um ein Zeichen für eine faire Agrarpolitik zu setzen. Einige Ostprignitz-Ruppiner Bauern parkten vor wenigen Wochen ihre Maschinen auch vor dem Büro des Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke, um mit ihm über die Bauernmilliarde zu reden.

„Die Organisation funktionierte meist über Whats-App und soziale Medien“, so Essig. Der Verein will alles mehr strukturieren. Auch Kooperation mit Kreisbauernverbänden sei nicht ausgeschlossen. „Wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden und können uns vielleicht gegenseitig helfen“, sagt Essig. Die Zusammenarbeit mit dem Kreisbauernverband Ostprignitz-Ruppin hält er für gut.

Der Verein wolle mehr Mitglieder gewinnen, sich austauschen und über Entwicklungen in der Agrarpolitik zu informieren. Das sei auch bei der nächsten Aktion möglich, die die Ostprignitz-Ruppiner Mitglieder für Sonnabend, 7. März, planen. An der B5 zwischen Wusterhausen und Heinrichsfelde, am Abzweig zum Reihereck, soll am Nachmittag auf einem Feld von Schmidts Farm ein Mahnfeuer angezündet werden. Dort könne jeder vorbeikommen und mit den Landwirten ins Gespräch kommen.

Wer es nicht zu dem Termin schafft, könne auch auf Landwirte zugehen. „Wer Fragen hat, bekommt bei uns Antworten. Wir schlagen niemandem die Tür vor der Nase zu“, betont der 54-Jährige. Der Bio-Landwirt baut vor allem Getreide an und bewirtschaftet Grünland. Andere Bauern halten Tiere oder setzen mehr Chemie ein. „Wir könne über alles reden“, so Essig. Ihm und vielen Kollegen gehe es um eine faire Agrarpolitik, die die Landwirte in Deutschland gegenüber den Bauern in anderen Ländern nicht benachteilige.

Ein Thema, das vielen Rinderhaltern auf den Nägeln brenne, sei das Handelsabkommen der Europäischen Union mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Es beinhalte den Wegfall der meisten Zölle auf Produkte, die EU-Staaten nach Südamerika exportieren und im Gegenzug den Wegfall vieler Zölle auf Waren, die von dort importiert werden. Dazu zählt ein zollreduziertes Kontingent von 99 000 Tonnen Rindfleisch. Dort gelten für Tierhaltung und Fleischerzeugung nicht die EU-Standards. Laut Essig würden Regenwälder abgeholzt, um Anbauflächen für Mais- und Soja zu gewinnen. Es werden auch Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die in Europa verboten sind. Die Tiere werden in den letzte Monaten an riesigen Fressflächen gehalten, gemästet und mit Hormonen behandelt. „So etwas dürfen und wollen wir nicht machen“, sagt Essig. Dass die Überwachungs- und Durchsetzungsmechanismen funktionieren, damit diese Waren nicht auf hiesigen Tellern landen, glaubt er nicht.

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