KZ Sachsenhausen : Bau des Lagers vor 80 Jahren

<p>Häftlinge des KZ Esterwegen bei der Rodung des Waldes für das Lagergelände </p>
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Häftlinge des KZ Esterwegen bei der Rodung des Waldes für das Lagergelände

Während der Olympischen Spiele 1936 wurde mit der Errichtung des KZ Sachsenhausen begonnen

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18. August 2016, 05:00 Uhr

Als vor 80 Jahren in Berlin die Olympischen Spiele auch als Propagandafest der Nationalsozialisten gefeiert wurden, begann unweit des Jubels und abseits der Aufmerksamkeit der Weltpresse der Bau des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Für „das Lager bei der Reichshauptstadt“ wurde ab 21. Juli 1936 Wald zwischen Lehnitzer Schleuse und Sachsenhausen gerodet. Dafür hatte die SS politische Häftlinge aus dem KZ Esterwegen im Emsland nach Oranienburg gebracht. Am 5. August war die Hälfte der Lagerfläche abgeholzt. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) teilte am 23. September mit, das KZ Esterwegen werde ab 5. September nach Sachsenhausen verlegt. Den Befehl zum Bau des Lagers Sachsenhausen gab der Reichsführer SS Heinrich Himmler.

Das Datum gilt als Gründungstag, eine offizielle Inbetriebnahme gab es nicht. Die Pläne reichten aber schon länger zurück. Denn das KZ Columbia am Tempelhofer Feld in Berlin sollte geschlossen werden. Auf dem Areal einer ehemaligen Brauerei in der Berliner Straße existierte seit März 1933 das KZ Oranienburg, in dem unter anderem der Schriftsteller Erich Mühsam inhaftiert war und 1934 durch SS-Wachleute zu Tode kam. Die KZ-Wachtruppen waren im Oranienburger Schloss stationiert. Schon am 12. Juni 1935 soll ein Vortrupp mit 50 Häftlingen des KZ Esterwegen nach Oranienburg geschickt worden sein. Vermutlich mussten sie das Lagergelände vorbereiten. Im Herbst 1935 wurde mit dem örtlichen Schützenverein über den Kauf eines Schießstandes nahe der Lehnitzschleuse verhandelt. Im März 1936 begannen die Verhandlungen mit den Forstbehörden zum Kauf der Waldflächen.

Die Arbeiten zur Vorbereitung des Lagers waren schwierig. Die Häftlinge mussten einen riesigen Kiefernwald roden und alle Versorgungsleitungen bauen. „Es dauerte mehr als ein halbes Jahr, bis das Gelände über einen Anschluss an die Kanalisation verfügte“, heißt es aus einem Nachweis im Archiv der Gedenkstätte.

Himmlers Auftrag lautete, ein „vollkommen neuzeitliches, modernes und jederzeit erweiterbares“ Lager zu bauen. Das übernahm der Architekt Bernhard Kuiper. Er entwarf ein gleichseitiges Dreieck, in dessen Fläche er das Häftlingslager, die Kommandantur und das SS-Truppenlager unterbrachte. Die Architektur folgte der „Geometrie des totalen Terrors“. Vom Wachturm A aus sollte ein einziges Maschinengewehr die in vier Ringen um den halbkreisförmigen Appellplatz herum gruppierten 68 Häftlingsbaracken ungehindert erreichen können.

Kuiper, der nach dem Krieg als Architekt in Westdeutschland tätig war, sprach vom „schönsten Konzentrationslager Deutschlands“. Seine perfide Idee wurde durch Blumenrabatten vorm Stacheldrahtzaun versinnbildlicht. Weil das Lager nicht beliebig erweiterbar war, blieb die Architektur einmalig. Kuiper erhielt keine weiteren Aufträge von der SS. Zum Gelände gehörten ein Übungslager zur Ausbildung der SS-Wachmannschaften und die als „Zentrale des Terrors“ bezeichnete Zentralverwaltung aller Konzentrationslager. In etwa 100 Außenlagern leisteten Häftlinge des KZ Sachsenhausen Zwangsarbeit, vor allem in der Rüstungsindustrie. Berüchtigt war das Klinkerwerk östlich der Lehnitzschleuse, wo viele Häftlinge grausam zu Tode kamen.

Im Sommer 1945 dienten die Baracken als Übergangs-Lazarett für frühere Häftlinge und andere Kriegsopfer, die wegen des Gesundheitszustandes nicht in die Heimat zurückkehren konnten. Ab August 1945 übernahm die Sowjetische Militäradministration das Gelände als Speziallager Nr. 7. Dort wurden Sozialdemokraten, NS-Funktionäre der unteren und mittleren Ebene, Angehörige der Wehrmacht, Jugendliche unter „Werwolf-Verdacht“, Gegner der neuen politischen Ordnung und zum Teil willkürlich Verhaftete interniert. Die DDR schloss die 1948 in Speziallager Nr. 1 umbenannte Einrichtung 1950 als letztes Speziallager. Die Kasernierte Volkspolizei übernahm das Areal und nutzte einen Teil als Kaserne.

An den 80. Jahrestag der Gründung erinnert die Gedenkstätte am 4. September mit einer Matinee im Neuen Museum.  

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