Forschungskonzept für die Lausitz : Batterieforschung kein Thema

Die Universität forscht für die CO2-neutrale Stromproduktion an der Gewinnung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff.
Die Universität forscht für die CO2-neutrale Stromproduktion an der Gewinnung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff.

Wissenschaftsministerin Martina Münch stellt Projekte ihrer Lausitz-Strategie in Potsdam vor

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04. Juli 2019, 05:00 Uhr

Nach der Entscheidung von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU), die Forschung an Batteriezellen nach Münster zu geben, hat Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) eingeräumt, sich nie um einen Standort für Batterieforschung beworben zu haben. „Um so einen Zuschlag zu bekommen, muss man eine stabile Forschungslage in diesem Bereich haben – und die haben wir nicht“, sagte sie gestern in Potsdam. „Wir haben keinen Standort, der in diesem Bereich forscht.“ Jedoch sei sie enttäuscht, dass das geplante Forschungsinstitut in Münster angesiedelt werden solle. „Der Bund hat schließlich immer gesagt, man wolle die Batteriezellforschung gezielt in die neuen Länder geben.“ Sie hoffe aber weiterhin darauf, dass die Produktion der neu entwickelten Batterien in Schwarzheide oder anderen Orten in der Lausitz stattfinden könne. BASF in Schwarzheide habe bekanntlich Interesse daran bekundet, in die Batterieproduktion einzusteigen.

Ebenfalls gestern erhob die Landesgruppe Ost der SPD-Bundestagsfraktion schwere Vorwürfe an die Adresse Karliczeks. Sprecher Frank Junge verwies darauf, dass am Standort Großröhrsdorf die nötigen Voraussetzungen für die Batterieforschung vorhanden seien. Dieser Standort sei von Sachsen, Thüringen und Brandenburg unterstützt worden. Auch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den vom Kohleausstieg betroffenen Regionen wäre so möglich“, heißt es in einem Schreiben von Junge an Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Die anvisierte Fertigung von Kathodenmaterial bei der BASF in Schwarzheide auf Basis auch von Lithium aus Sachsen könnte vor dem Hintergrund des Strukturwandels entscheidende Impulse geben.“ Junge forderte die Kanzlerin auf, das Thema erneut im Bundeskabinett zu besprechen.

Münch stellte gestern zudem Projekte ihrer Lausitzstrategie vor. „Ich freue mich, dass eine ganze Reihe innovativer Forschungsvorhaben und hochkarätiger Ansiedlungen von Forschungseinrichtungen auf den Weg gebracht wurde“, sagte sie. Im Rahmen des Sofortprogramms, das bis 2021 auf den Weg gebracht werden soll, werde zunächst ein aus 25 Forschungsstellen bestehender Inovationscampus Mikrosensorik gegründet werden, an dem die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg und je zwei außeruniversitäre Forschungsinstitute der Leibniz- und der Fraunhofergesellschaft beteiligt sein sollen. „Mit dem Innovationscampus haben wir hervorragende Möglichkeiten, unseren Beitrag zur Stärkung der Region zu leisten“, sagte der Direktor des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme in Dresden, Harald Schenk. Dort sollen neuartige Sensoren zur Digitalisierung der industriellen Produktion, der Landwirtschaft und der Medizin entwickelt werden. Für 2030 wurde ein Bedarf von 100 Billionen Mikrosensoren errechnet.

Die amtierende Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität, Christiane Hipp, betonte, die Diskussionen zu Klimawandel, Umweltschutz, CO2-Neutralität und Kreislaufwirtschaft hätten der Uni neuen Schwung gegeben. „Wir sind sehr froh und zuversichtlich, dass wir uns mit den finanziellen Möglichkeiten ganz neu in der Lausitz für die Lausitz positionieren können“, so Hipp. Auf Nachfrage erklärte sie, dass sich die Universität weiter mit großem Engagement um eine Mitgliedschaft in der Deutschen Forschungsgesellschaft bemühe. „Das Thema Forschungsstärke ist noch nicht gelöst, aber die neuen Kooperationen werden uns stärken“, sagte Hipp. Die Uni habe zudem den Anteil der internationalen Studierenden und der Studiengänge steigern können. Momentan verzeichne sie rund 7200 Studenten. „Wir würden gern wieder über die 8000er-Grenze kommen“, sagte Hipp. „10 000 wie vor fünf Jahren werden wir in den nächsten Jahren aber nicht erreichen können.“

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