Kritik an Geldinstituten : Bankkunden werden zur Kasse gebeten

Die Kontogebühren steigen, Extra-Aufschläge für das Geldabheben. Die Bankkunden werden kräftig zur Kasse gebeten.
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Die Kontogebühren steigen, Extra-Aufschläge für das Geldabheben. Die Bankkunden werden kräftig zur Kasse gebeten.

Immer mehr Beschwerden bei der Verbraucherzentrale Brandenburg wegen Gebührenerhöhung.

svz.de von
06. April 2017, 05:00 Uhr

Drastisch gestiegene Kontogebühren und Extra-Aufschläge für das Geldabheben – auch in der Mark wird Bankkunden immer mehr zugemutet. Die Verbraucherzentrale Brandenburg sieht das kritisch.

Nun also auch die Berliner Volksbank. Ab Mai kostet dort das günstigste Konto mit Zugang zu einer Filiale zehn Euro im Monat, wie das Geldhaus auf seiner Internetseite informiert. Wer in der Filiale seine Kontoauszüge ausdrucken möchte, zahlt noch einmal 50 Cent extra pro Vorgang. Das Premium-Konto kostet künftig 17 Euro. Nicht erst seit diesem Schritt der Berliner Volksbank häufen sich bei der Verbraucherzentrale Brandenburg die Nachfragen von Bürgern, wie der dortige Finanzexperte Erk Schaarschmidt berichtet. „Wir haben mehr Beschwerden als noch vor zwei Jahren“, erzählt er. „Die Leute wollen wissen, ob die Erhöhungen gerechtfertigt sind.“

Auch über Preissteigerungen bei den Sparkassen gebe es Beschwerden. „Wir wissen, dass sie manchen Kunden sauer aufstoßen, vor allem wenn Filialen vor Ort geschlossen wurden“, sagt er. „Wir haben grundsätzliche Bedenken zur Rechtmäßigkeit der Preiserhöhungen, weil sie aktuell zumeist nicht die Kosten der Bank berücksichtigen.“ Nach Ansicht der Verbraucherschützer dürften die Gebühren nur dann steigen, wenn sich für die Bank auch die Kosten erhöhen. Das würden die Banken aber in der Regel nicht so darstellen. Vielmehr verweisen sie auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Sie würde die Einnahmen sinken lassen. „Dafür, dass die Banken in einem Geschäftsbereich Probleme haben, können aber die Girokonto-Kunden nichts“, hält Schaarschmidt dagegen. Zudem würden die Institute zumeist nach wie vor satte Gewinne machen. „In meinen Augen sind die Gründe für Gebührenerhöhungen oft nur vorgeschoben“, sagt der Experte. Er räumt jedoch ein, „dass ein Girokonto grundsätzlich nicht umsonst zu haben ist“.

Die MBS, Brandenburgs größte Sparkasse, hat vor einigen Monaten die Gebühren teilweise um 30 Prozent erhöht. Gleichzeitig erzielte das Institut im Jahre 2016 einen Gewinn von knapp 176 Millionen Euro. Bank-Sprecher Robert Heiduck sagt dazu: „Wir haben seit zehn Jahren nicht erhöht. Dienstleistungen haben ihren Wert. Auch unsere neuen Preise halten dem Wettbewerbsvergleich stand.“

In welchen Fällen Preiserhöhungen juristisch angreifbar sind, sei schwer zu beurteilen, sagt Erk Schaarschmidt. Im Übrigen drohe dem, der widerspricht, die Kontokündigung. Nicht kommentieren will er das Gebahren der Sparkasse Elbe-Elster, die neuerdings zu jenen Instituten in Deutschland gehört, die für das Geldabheben Gebühren verlangen. „Wichtiger erscheint mir, dass besonders ältere und solche Menschen, die Bankgeschäfte nicht online erledigen wollen oder können, die Verlierer der aktuellen Preispolitik sind“, sagt Schaarschmidt.

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