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Offene Schranken : Bahnübergang noch ungesichert

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Defekte Schrankenanlage führt zu lebensgefährlicher Situation in Briesen. Blitzschlag am Wochenende sorgt für den Ausfall

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2017 | 20:50 Uhr

Die Schranken sind offen – gemütlich radelt Günter Bormann auf seinem Weg zum Einkaufsmarkt an den Bahnübergang in Briesen (Oder-Spree) heran. Plötzlich ertönt ein lautes Signal und der Güterzug rollt in Schrittgeschwindigkeit an ihm vorbei. „Das ist gefährlich. Kein Mensch weiß, was los ist“, regt sich der 82-jährige Briesener auf, der kurzerhand vom Fahrrad springt. Keinerlei Warnschilder weisen auf die lebensgefährliche Brisanz an den Gleisen hin.

Seit vergangenem Sonnabend steht die Schrankenanlage an der vielbefahrenen RE1-Strecke Berlin-Frankfurt am Briesener Bahnhof offen. Nach Mitteilung der Deutschen Bahn hat ein schwerer Blitzschlag die Elektronik der Anlage lahmgelegt. Das Ordnungsamt alarmierte sofort das Notfallmanagement der Bahn. Polizei sicherte übers Wochenende die Gefahrenstelle.

Sicherungsposten übernahmen dann diese Aufgabe. Sie zogen bei Zugverkehr ein Absperrband über die Hauptstraße, die Lebensader des Dorfes und als Ortsdurchfahrt und Landesstraße stark frequentiert von Autos, Radlern und Fußgängern ist. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich Grundschule mit Hort, Gemeindebibliothek, Kita und Sportplatz. Auf der anderen Seite der Gleise geht es zur Amtsverwaltung, Feuerwehr, Supermarkt, Sparkasse und zur Autobahn A12.

Am Dienstag waren die Posten verschwunden. Nach Mitteilung der Deutschen Bahn sollten die Reparaturarbeiten erfolgen. Am Mittwoch waren die Schranken immer noch offen. Weit und breit keine Sicherungsposten in Sicht.

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Anlage wieder läuft und haben den Sicherungstrupp für diesen Tag abgesagt. Das wären ja unnötige Kosten“, sagte ein Bahnsprecher auf Nachfrage und verwies auf die Eisenbahnbetriebsordnung, nach der „kurzfristige Notmaßnahmen“ geregelt seien: Anhalten der Züge vor dem defekten Bahnübergang, Achtungssignal und dann erst Weiterfahrt in Schrittgeschwindigkeit.

Mal abgesehen davon, dass die Anwohner von den ständigen Achtungssignalen der Züge Tag und Nacht genervt sind, Fahrzeugführer und Fußgänger finden die Regelung keinesfalls ausreichend. „Ich habe kein Verständnis, das ist doch reine Ignoranz, die Leben kosten kann“, sagt Feuerwehrmann Dennis Schulz aufgebracht. „Wer hat eigentlich Vorfahrt, wenn sich Auto und Zug wie an einer Kreuzung mit gleichrangigen Straßen begegnen?“, fragt sich ein 64-jähriger Briesener. Eine Frankfurterin, die regelmäßig die Strecke zur Arbeit nach Fürstenwalde fährt, bemängelt, dass durch das Kopfsteinpflaster in der Frankfurter Straße das Hupen der Züge im Auto gar nicht zu hören ist.

Ob die Reparatur der Schranke in den nächsten Tagen erfolgen kann, ist laut Deutscher Bahn noch ungewiss. Ein wichtiges Ersatzteil fehle noch.

 

 

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