Lebensgefahr durch Stromschläge : Bahn reagiert auf tödliche Unfälle

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Pilotprojekt soll Prävention an Schulen verstärken, Lebensgefahr durch Stromschläge im Gleis

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25. März 2016, 05:00 Uhr

Die Vorfälle gleichen sich: Ende Februar klettert die 15-jährige Oberschülerin mit zwei Begleitern nahe des Bahnhofs Fürstenwalde auf einen Kesselwagen, bis ein Stromschlag der Oberleitung sie tötet. Ein Jahr zuvor spielt sich ein ähnliches Drama in Guben ab. Ein 17-Jähriger stirbt dabei. Kurz zuvor, im Januar 2015, war ein Jugendlicher in Rangsdorf auf die Lok einer Regionalbahn geklettert, wo es ebenfalls zu einem Stromüberschlag kam. „Der 15-Jährige überlebte diesen Unfall schwer verletzt und wird sein weiteres Leben mit den Folgen leben müssen“, sagt Jens Schobranski, Sprecher der Bundespolizei und warnt davor, auch nur in die Nähe einer Oberleitung zu kommen. Schon ein Lichtbogen könne zu tödlichen Verletzungen führen.

Mit einem in Deutschland einmaligen Pilotprojekt wollen Deutsche Bahn (DB) und Bundespolizei Kindern und Jugendlichen Gefahren im Bahnverkehr nahebringen. Derzeit werden in Frankfurt (Oder) Bahnmitarbeiter und Ruheständler durch die Bundespolizei geschult, um im zweiten Quartal des Jahres ihre Botschaft in die Schulen zu tragen. „Wir wollen Kinder vor durch Unwissenheit verursachten Unfällen schützen“, sagt Rico Löwe von der Bundespolizei. Über die Stiftung Bahn-Sozialwerk werden ehrenamtliche Referenten ausgebildet, um an den Schulen über lauernde Gefahren aufzuklären. „Stromschläge sind selten, aber sehr medienwirksam“, so Löwe.

Viel häufiger müsse die Polizei eingreifen, wenn Kinder an den Schienen spielen. „Neuester Sport sind Selfies im Gleis“, weiß Löwe.

Auf Berlin-Brandenburger Bahnanlagen kam es 2015 zu 14 Vorfällen mit Kindern und Jugendlichen. Die Dunkelziffer ist hoch. „Es gibt immer wieder Situationen, bei denen Züge mit Steinen und ähnlichen Wurfgeschossen beworfen oder Hindernisse auf die Gleise gelegt werden“, sagt Polizeisprecher Schobranski. Einsätze, bei denen Lokführer spielende Kinder an der Trasse entdecken und melden, würden nur erfasst, wenn Polizeistreifen die Minderjährigen ergreifen.

Die Bahn hat alle Schulämter zwischen Ostseeküste und Erzgebirge auf die Präventionsoffensive aufmerksam gemacht. „Zehn Schulen haben bereits ihr Interesse signalisiert“, sagt DB-Projektleiterin Beate Crecelius. Greift das Modell im Osten, soll es bundesweit ausgebaut werden.

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