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Verkehr : Bahn plant Rückzug aus Güterverkehr

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Brandenburg sind 30 Standorte betroffen

svz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 04:45 Uhr

Die Deutsche Bahn-Tochter DB Cargo plant den Rückzug aus dem Güterverkehrsgeschäft. Einer vertraulichen Streichliste zufolge will die Bahn deutschlandweit 215 Güterbahnhöfe schließen, darunter auch Standorte in Brandenburg.

An fast 30 Güterverkehrsstellen im Land Brandenburg soll nach bislang geheimen Plänen der Bahn „die Bedienung eingestellt werden“, an weiteren jeweils fünf Standorten die Bedienzeit reduziert oder nur noch im Sonderdienst gearbeitet werden. Nach Recherchen des Südwestrundfunks (SWR) droht deutschlandweit jedem vierten Güterbahnhof das Aus. Die Bahn dementiert diese Zahlen nicht, verweist jedoch am Mittwoch darauf, dass es derzeit noch keinerlei Beschlüsse gibt, und die Gespräche mit Arbeitnehmervertretungen, Kunden und dem Aufsichtsrat noch laufen.

Um wieder mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen und dabei schwarze Zahlen zu schreiben, sei es nötig, im Bundesgebiet 215 aufkommensschwache Güterverkehrsstellen zu schließen, begründet Jürgen Wilder, Vorstandsvorsitzender von DB Cargo. Diese Standorte würden lediglich 0,4 Prozent zum Gesamtumsatz von DB Cargo beitragen und keinesfalls einen Rückzug aus der Fläche oder einen Schrumpfkurs der Güterbahn bedeuten. „Entscheidend ist dabei, dass die Verladestellen nicht geschlossen, sondern nicht mehr angefahren werden. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn sich die Auftragslage ändert, kann der jeweilige Verladepunkt auch wieder bedient werden“, betont ein Sprecher.

Dem Brandenburger Verkehrsministerium sind die Spekulationen über die Schließung von Güterbahnhöfen seit geraumer Zeit bekannt. „Wir haben deshalb mit der Bahn Kontakt aufgenommen, um Näheres zu erfahren“, sagt Ministeriumssprecher Steffen Streu. Das Land verfolge nach wie vor die Strategie, mehr Güter von der Straße auf Schiene und Wasser zu verlagern – die Bahn jedoch hatte eine „Verlagerung auf Lkw“ als Alternative zum rückläufigen Gütertransport auf der Schiene ins Gespräch gebracht.

Für die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Brandenburger Landtag, Anita Tack, eine völlig verfehlte Politik. Die Feldversuche mit Gigalinern in Brandenburg und wohlwollende Gutachten zu deren Einsatz seien das Einfallstor, damit die Bahn abspecken kann. „Das ist kon-traproduktiv, nicht nur aus Klimaschutzgründen“, sagt Tack.

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