Bekalkungsschiff : Aus Essig wird Badewasser

Schwimmender Kalkstreuer: Schiff „Klara“ soll Leben in geflutete Tagebaue bringen.
Schwimmender Kalkstreuer: Schiff „Klara“ soll Leben in geflutete Tagebaue bringen.

Mit einem Bekalkungsschiff sollen saure Lausitzer Seen behandelt werden

svz.de von
06. August 2016, 05:00 Uhr

Die Lausitzer Seenlandschaft gilt nach gigantischen Investitionen der öffentlichen Hand als Tourismusmagnet, dabei kann nicht überall bedenkenlos gebadet werden. Der Kampf um eine gute Wasserqualität dauert noch Jahrzehnte..

„Klara“ soll das Schiff heißen, das große Hoffnungen in der Lausitz trägt. Der 13 Meter lange Schubverband hat seine Feuertaufe auf der Elbe bestanden und soll in zwei Wochen über den Straßenweg in die Lausitz transportiert werden. Im Schiff steckt viel Ingenieurwissen. Ab September wird es tonnenweise Kalk in die Gewässer „einstreuen“.

Nach und nach werden die früheren Lausitzer Tagebaue geflutet. Wie die Statistik der Bergbauverwaltungsgesellschaft LMBV zeigt, haben zwei Drittel der gut 20 künstlichen Seen im Land einen Füllstand von 100 Prozent oder knapp darunter. Für jeden gibt es ein aufwendiges Konzept, für die großen auch touristische Infrastruktur.

Das große Problem ist: Fast die Hälfte der Seen sind anfänglich sauer wie Essig. Dies liegt am Mineral Pyrit, welches aus Eisen und Schwefel besteht und durch die Bagger an die Oberfläche gefördert wurde. Bakterien zersetzen es zu Eisen und Sulfat. Bei Kontakt mit Wasser entsteht Säure. Das führt letztlich dazu, dass in den Seen vorerst kein Leben möglich ist.

Mobile Wasserbehandlungsanlagen kehren den Prozess um. Seit mehreren Jahren fährt der Katamaran „Barbara“, über Lausitzer Gewässer – er gehört einem Unternehmen, das von der LMBV beauftragt wird. Wegen des hohen Bedarfs hat sich das bundeseigene Unternehmen jedoch dazu entschieden, ein eigenes Schiff bauen zu lassen.

Allein auf dem Partwitzer See, der ersten Station der Sanierungsoffensive, werde der Einsatz etwa anderthalb Jahre dauern, sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Danach werden benachbarte Gewässer behandelt. Hinzu komme eine bis zu 25 Jahre währende Nachsorge, bei der die Seen immer wieder kurzzeitig neutralisiert werden.

Jedoch soll das technisch hochgerüstete Schiff künftig die Behandlung deutlich beschleunigen. „Wir haben die Dosierung immer wieder verbessert“, sagt Steinhuber. Nun wird der Wirkstoff über eine Schraube unter Wasser eingespült – ein patentiertes Verfahren. Die verwendeten Kalkmengen werden für jeden Quadratmeter im elektronischen Logbuch erfasst.

Das Verfahren habe sich auch aus ökologischen Gründen bewährt, so Steinhuber. „Nach den chemischen Reaktionen flockt das Eisenhydroxid aus und sinkt zum Grund.“ Dort, in 20 bis 50 Metern Tiefe, bilde sich eine zentimeterdünne schlammige Schicht, durch die die Wasserqualität nicht beeinträchtigt werde. Der Prozess werde mit wissenschaftlichen Gutachten begleitet.

Über 100 Verfahren zur Wasserbehandlung wurden in den vergangenen Jahren beim Bergbausanierer eingereicht, bei einem Dutzend erfolgten Praxistests. So versuchten Wissenschaftler mit biologischen Mitteln das Seewasser zu neutralisieren, indem Stroh und Abfallprodukte der Zuckerindustrie eingesetzt wurden. Auch Versuche mit flüssiger Kraftwerksasche brachten keinen Erfolg.


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