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Wildpark Schorfheide : Auge in Auge mit Isegrim

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wildpark Schorfheide in Groß Schönebeck feiert heute seinen 20. Geburtstag

von
erstellt am 21.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Heute gibt es frische Rinderrippchen. „Wölfchen, kommt, alle meine Wölfe“, ruft Imke Heyter und wirft die Bissen um sich, klopft zudem lautstark auf den Plastik-Futtereimer. Die Chefin des Wildparks Schorfheide steht inmitten des 10 000 Quadratmeter großen Geheges und braucht nicht lange zu warten. Fast lautlos schleicht Wolfsrüde Story bis auf zwei Meter heran und schnappt sich einen der Fleischbrocken. „Story ist meine kleine Rampensau“, meint Heyter scherzhaft. Weiß die 43-Jährige doch, dass so eine Begegnung in freier Natur nie passieren würde. „Für Wölfe ist der Mensch der Todfeind, um den sie einen weiten Bogen machen“, erklärt sie. Besucher würden die Raubtiere auch im Wildpark nie zu Gesicht bekommen, wenn sie nicht sozialisiert, also mit der Flasche aufgezogen worden wären. Das betrifft die vier Wölfe in Storys Gehege. Im Wildpark gibt es jedoch noch ein zweites Rudel mit elf Tieren, das jenseits der Besucherwege ohne Menschenkontakt lebt. „Das nutzen wir für wissenschaftliche Untersuchungen und Vergleiche“, erläutert die Wildpark-Chefin.

Bei speziellen Wolfsführungen versucht sie seit 15 Jahren, Besuchern Angst und Vorurteile gegenüber den auch in freier Wildbahn Brandenburgs wieder angesiedelten Tieren zu nehmen. „Unsere Wölfe sind das Highlight“, sagt Heyter, „da gibt es ja auch den meisten Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung.“

Das kann Jens-Uwe Schade, Sprecher des Agrar- und Umweltministeriums in Potsdam, nur bestätigen. „Im Jahr 2000 waren die Wölfe plötzlich da, in der freien Natur der Mark“, erinnert er sich. Mit ihnen kamen auch Probleme. „Die tatsächliche Öffentlichkeitsarbeit für das Wolfsmanagement in Brandenburg wird im Wildpark Schorfheide gemacht“, betont Schade.

Wölfe waren allerdings nicht die ersten Bewohner des insgesamt 105 Hektar großen Wildparkes am Rande von Groß Schönebeck (Barnim), der vor 20 Jahren aus einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme heraus entstand. „Angefangen haben wir mit Wisenten und Przewalski-Pferden, der Ur-Pferderasse in Europa“, erinnert sich die Chefin. Die Idee dahinter: Europäische Wildtierrassen werden in einer möglichst natürlichen Landschaft gezeigt. „Der Park entstand damals, um Besuchern das Konzept von Naturparks und Biosphärenreservaten deutlich zu machen“, sagt Eckhard Wiesenthal, Vorsitzender des Deutschen Wildgehege-Verbandes, zu dem auch der Wildpark Schorfheide gehört.

Heute hat der Wildpark 264 tierische Bewohner aus 25 Arten, darunter Elche, Fischotter und Luchse. Rund 100 000 Besucher jährlich schlendern durch die weitläufige Anlage. Dass die Schorfheide auch Jagdgebiet für die Mächtigen war – vom deutschen Kaiser über Nazi-Führer bis hin zu DDR-Größen – spielt bei geschichtsträchtigen Besuchern auch eine Rolle, berichtet Heyter. Ein Gast habe ihr einmal gesagt: Jahrhundertelang wurden hier Tiere getötet. Endlich tut jemand etwas für die Tiere. „Das war für uns ein großes Lob und sehr treffend“, sagt die 43-jährige Wildparkchefin.

Das 20-jährige Bestehen will die 16-köpfige Wildpark-Crew heute gebührend feiern. Um 10 Uhr beginnt eine Festveranstaltung. Als Geschenk für die Besucher gibt es für alle bis zu 24. April Eintrittspreise zum Kindertarif. „Ohne die zahlreichen Gäste würde es uns schon längst nicht mehr geben“, betont Heyter. Der Wildpark bekomme keinerlei staatliche Zuschüsse, finanziere sich hauptsächlich über die Eintrittsgelder. Nächster Veranstaltungshöhepunkt ist der „Tag des Wolfes“ am 30. April.

 

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