Energie : Auf ehemaligem Flugplatz wird jetzt Strom erzeugt

Einst starteten hier Flugzeuge, nun stehen tausende Dünnschicht-Solarmodule auf dem ehemaligen russischen Militärflugplatz Groß Dölln.
Foto:
1 von 1
Einst starteten hier Flugzeuge, nun stehen tausende Dünnschicht-Solarmodule auf dem ehemaligen russischen Militärflugplatz Groß Dölln.

Umwandlung einstiger Militärflächen im Land schreitet langsam voran: Bislang rund zwei Milliarden Euro investiert

Rund 20 Jahre nachdem die russischen Truppen Brandenburg verließen, geht die Umwandlung ehemaligen Militärflächen für zivile Zwecke langsamer voran. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, wurden seit Anfang der 90er Jahre knapp zwei Milliarden Euro investiert, mehr als 90 Prozent der einstigen 100 000 Hektar Militärgelände verkauft. „Davon sind allerdings nicht alle Flächen tatsächlich umgewandelt“, sagt der Sprecher des Netzwerks „Fokus“, Herold Quick. In dem Verbund arbeiten 19 brandenburgische Gemeinden zusammen, um „die großen Chancen“ der so genannten Konversion zu nutzen.

Vor einigen Jahren machte sich noch der Aufschwung der erneuerbaren Energien beim Flächenverkauf bemerkbar: Eine große Photovoltaikanlage wurde etwa in diesem Sommer auf dem ehemaligen Flugplatzgelände Groß Dölln eröffnet. „Manche Flächen, die etwa mit Kerosin verseucht sind, kann man kaum anders nutzen als für Photovoltaik- oder Windkraftanlagen“, sagt Quick.

Da die Solarbranche kriselt und größere Anlagen kaum mehr gefördert werden, sind weitere derartige Parks jedoch wenig wahrscheinlich: Munitionsberäumung könne sich für Investoren womöglich nicht mehr lohnen, erklärte ein Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums.

Noch rund 12 000 Hektar Flächen stehen nach Angaben der Brandenburgischen Boden GmbH (BBG) zum Verkauf, darunter auch der rund 3500 große ehemalige Flughafen in Sperenberg. Dieses Gelände wurde dem Land erst 2012 vom Bund übertragen. Schwer verwertbar seien demnach auch einge schlecht angebundene Flächen.

Wie die sogenannte Konversion der Militärflächen künftig gefördert wird, könnte für die Region entscheidend sein, sagt der Volkswirt Markus Hennen, der die Stadt Jüterbog im Netzwerk „Fokus“ vertritt. In der bis Ende 2013 geltenden EU-Förderperiode standen für die Umwandlung im Land 21 Millionen Euro zur Verfügung. Diese seien inzwischen fast vollständig in Projekten gebunden. Hinzu Mittel von Bund, Land und Kommunen. Allein in Jüterbog flossen laut Hennen etwa 60 Millionen Euro in die Konversion: Dort wurde bis Mitte der 90er Jahre mehr als die Hälfte der Stadtfläche militärisch genutzt. Auf restlichem Gelände den Großflughafen Berlin-Brandenburg anzusiedeln, habe vor Jahren die Lösung versprochen. Nun sei die Investitionsbereitschaft zurückgegangen.

„Nicht unbedingt als Rosinenstücke“ bezeichnet Quick, der auch Bürgermeister von Falkenberg/Elster ist, die restlichen Flächen: 48 Millionen Euro seien nötig, um hier „Ordnung zu schaffen“. Er spricht von einer „verlorenen Welt“: Teilweise stünden Ex-Militärgebäude, die schon im Ersten Weltkrieg genutzt wurden, unter Denkmalschutz und seien dem Verfall preisgegeben. Aber auch hier hat sich ein kleiner Geschäftszweig entwickelt: Ein Berliner bietet Touren für Hobby-Fotografen durch verfallene Anwesen, etwa durch die Militärgebäude in Wünsdorf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen