Auf den Spuren der Filme

Tourismusexperten wollen Drehorte in Brandenburg bekannter machen

svz.de von
06. November 2015, 17:33 Uhr

Die brandenburgische Tourismusmarketinggesellschaft will Touristen zu früheren Drehorten im Land locken. Ein Internet-Portal listet Adressen auf, wo berühmte Filme entstanden sind. Vor Ort jedoch lassen sich erst wenige Fans blicken.

Es war vor über hundert Jahren, als sich in Rüdersdorf die erste Filmcrew blicken ließ. Für seinen Stummfilm „Buchholzens Abenteuer im Hochgebirge“ fuhr Gustav Schönwald 1908 nicht etwa in die Alpen, sondern baute die Kameras vor den Kalksteinformationen im Tagebau vor den Toren Berlins auf – das sparte viel Geld. Auch danach, bis in die 20er Jahre hinein, ließen alle wichtigen deutschen Regisseure in der Region gigantische Kulissen zwischen Rüdersdorf und Woltersdorf errichten – etwa für „Das indische Grabmal“.

Doch erst nach der Jahrtausendwende wurde der Standort wiederentdeckt. Hollywood-Stars wie Jude Law kamen, um in den stillgelegten Rüdersdorfer Industrieanlagen den Kriegsfilm „Enemy at the Gates“ zu drehen. „Das war ein großer Auftakt“, sagt Simone Majewski, Geschäftsführerin des kommunalen Kulturbetriebs, der für den Museumspark verantwortlich ist. Seitdem entstanden auf dem Areal unter anderem „Monuments Men“ oder „Medicus“, aber auch zahlreiche Dokumentationen.

„Das ist natürlich beste Werbung für den Museumspark und die Gemeinde“, sagt Majewski. Sie muss jedoch genau kalkulieren, ob ein mehrtägiger Dreh nicht zu finanziellen Einbußen führt. Denn die Haupteinnahmen bringen Führungen durch den ehemaligen Kalksteinbruch. „Unser Publikum ist technisch versiert oder an geowissenschaftlichen Themen interessiert“, sagt die Geschäftsführerin. Majewski könnte sich eine Ausweitung der Filmproduktionen vorstellen, ebenso eine stärkere Vermarktung der Geschichten rund um die teils spektakulären Dreharbeiten, zuletzt für den zweiten Teil von „Mockingjay“ aus der Reihe der „Tribute von Panem“. Doch die Kapazitäten sind begrenzt. Bei den Führungen beantwortet das Personal dennoch viele Fragen zu den Hollywood-Produktionen. „Das wird auch von vielen gewünscht.“

Auch die Rosenvilla in Paretz (Havelland) diente bereits als Kulisse für Kinofilme: Dort stand etwa Til Schweiger für „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ vor der Kamera. „Die Filmcrew hatte bei mir Kaffee getrunken, dann entstanden die Pläne, hier zu drehen“, erinnert sich die Eigentümerin Sabine-Susanne Kauker.

Für sie selbst seien die Tage, wenn eine vielköpfige Crew mit Fahrzeugen und Technik anrückt, „schöpferisch anstrengend“. Als Gastgeberin mische sie sich nicht in organisatorische Dinge ein. Einmal jedoch schlug sie vor, ihren blühenden Rhododendron im Hintergrund für „Keinohrhasen einzubeziehen. „Doch die Crew hat Säcke drüber gestülpt, die Farbe passte nicht“, sagt sie und lacht. „Der Film baut eben alles um.“ Wenn Ausflügler am Sonntag zu Kaffee und Kuchen in dem idyllisch gelegenen Gründerzeitgebäude vorbeischauen oder Gäste der Kulturveranstaltungen, dann erzählt Kauker gerne über die Filmproduktionen. Von einem großen Interesse sei jedoch nichts zu spüren.

Auch nach Kirchmöser, einem Ortsteil von Brandenburg an der Havel, wo unter anderem der erfolgreiche deutsche Streifen „Barbara“ entstand, verirren sich nur wenige Filmfans. „Die Handlung spielt ja zu DDR-Zeiten an der Ostsee, nicht bei uns“, sagt Ortsbürgermeisterin Ines Budick.

Dabei wurden viele Szenen im alten Klinikum von Kirchmöser gedreht, was für Führungen allerdings nicht zugänglich ist. Die Stadt habe das Areal einzäunen lassen, es sei zudem verkauft worden, so Budick. Auch die alte Bäckerei am Markt wurde nur für den Filmdreh wiederbelebt. „Jetzt steht sie leer.“ Ebenso haben viele Anwohner im kleinen Prignitz-Ort Netzow noch gute Erinnerungen an den Dreh des mehrfach preisgekrönten Dramas „Das weiße Band“, allerdings werden Besucher ebenfalls ihre Mühe haben, die Spuren des Films zu finden.

Geht es nach den Tourismusstrategen des Landes, sollen die Original-Schauplätze künftig stärker in den Blickpunkt rücken. „Das hat touristisches Potenzial, vor allem wenn eine Geschichte in einem ganz realen Ort in Brandenburg spielt“, sagt Birgit Kunkel, Sprecherin der Tourismusmarketinggesellschaft. Sie verweist unter anderem auf die Glienicker Brücke, wo Steven Spielberg seinen Agententhriller „Bridge of Spies“ drehte. Ebenso seien die Kulissen des „Spreewaldkrimis“ greifbar. Und Familien könnten die Mühle aus dem Kinderfilm „Bibi und Tina“ besichtigen, die in Nudow (Potsdam-Mittelmark) steht.

Die Tourismusexperten haben mittlerweile Informationen zu 53 Filmproduktionen in einem Online-Portal gesammelt und auf einer Karte mit den Adressen verlinkt. 120 Millionen Euro Umsatz hat die Branche 2014 in Brandenburg erzielt. Einen größeren Nutzen zieht bislang nur Potsdam aus ehemaligen Drehorten. Dort würden regelmäßig spezielle Stadtrundfahrten angeboten, sagt Kunkel.  

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