Auf den Pelz gerückt

Weil wir Menschen in Lebensräume der Füchse vordringen, erobern sie auch unsere.ddp
Weil wir Menschen in Lebensräume der Füchse vordringen, erobern sie auch unsere.ddp

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06. August 2010, 01:57 Uhr

Beeskow | Der Naturcampingplatz Springsee bei Wendisch-Rietz im Landkreis Oder-Spree ist ein idyllisches Plätzchen: Unter hohen Kiefern gelegen, gehören zur Ausstattung nicht nur Stellplätze, ein Imbiss, ein nahezu unberührter See und hochwertige Sanitäranlagen sondern auch drei Fuchsbaue. Mitten unter den Campern haben die Tiere ihre Jungen aufgezogen, die jetzt morgens und abends ohne Scheu über das eingezäunte Areal toben.

Hans-Jürgen Zeume hat dabei sozusagen einen Logenplatz. Der Wohnwagen des Berliner Dauercampers steht unmittelbar neben einem der Baue. "Anfang des Sommers, als die jungen Füchse so langsam ihre Kinderstube verließen, spielten sie hier inmitten von Menschen", erzählt er und schmunzelt - wohlwissend, dass das Treiben der immer zahmer werdenden Tiere von der Campingplatzleitung gar nicht gern gesehen wird.

"In diesem Jahr ist es besonders extrem. Es gibt hier zwar schon immer Füchse. Bisher hatten sie sich aber außerhalb des Zauns niedergelassen", sagt Betreiberin Silke Seidel. Sie hat nicht zum ersten Mal Ärger mit tierischen Nachbarn. "Erst kamen die Wildschweine. Nachdem wir das Gelände einzäunten, war zunächst Ruhe." 2009 dann entdeckten Waschbären den Naturcampingplatz für sich, drangen in Wohnwagen und Zelte ein, plünderten Kühl- und Vorratsschränke. Ein Jäger sorgte für Ruhe - bis zu diesem Sommer.

Nun erweisen sich die Füchse als ebenso kleptoman. "Hier verschwinden ständig Schuhe, die Müllsäcke sind regelmäßig geplündert und neulich haben die Tiere sogar ein komplettes Büffet abgeräumt", erzählt Seidel. Für Matthias Fochtmann von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises ist die Entwicklung nicht verwunderlich. "Der Mensch baut immer weiter in den Wald hinein, rückt den Tieren also auf den Pelz." Für ihn sind die Probleme hausgemacht. "Wer am Waldrand wohnt, hat seinen Komposthaufen oft hinter dem Zaun - eine schier unerschöpfliche Nahrungsquelle für Fuchs, Wildschwein und Reh."

Kein Verständnis hat er dafür, dass Menschen Füchse bewusst füttern. "Wenn man damit anfängt, wird man die Tiere nicht mehr los." Diese Warnung kommt am Springsee zu spät, auch wenn Betreiberin Seidel ihre Gäste selbst mehrfach auf das Fütterverbot hingewiesen hat. "Da sind so ein paar unverbesserliche Camper, die geben den Füchsen sogar Namen", hat Zeume beobachtet. Da hört auch bei ihm das Verständnis auf.

Den Behördenmitarbeiter Fochtmann ärgert auch die Blauäugigkeit jener Leute, die die Tiere sogar streicheln. "Zwar ist die Tollwut bei uns kein Thema mehr, doch Füchse übertragen auch Räude und den Fuchsbandwurm. Beides kann ebenfalls für den Menschen gefährlich werden", warnt er. Der Jäger kennt selbst Fälle, in denen Füchse Menschen sehr nahe kommen. "Im Stahlwerk Eisenhüttenstadt schleichen die Tiere in die Werkhallen und stibitzen die Frühstücksbrote der Mitarbeiter."

Fochtmanns Beobachtungen nach werden Füchse zu Problemtieren im Land. Weil es kaum noch Niederwild - die Hauptnahrungsquelle - gebe, suchten sie sich Alternativen. Ein Allheilmittel dagegen ist bisher nicht gefunden. Abschusspläne gebe es in der Mark allerdings noch nicht.

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