Fürstenwalde : Auf den Hund gekommen

Petra Tracz, Sachbearbeiterin vom Steueramt der Stadt Fürstenwalde, begutachtet auf ihrem Kontrollgang durch ein Mehrfamilienhaus den 14 Jahre alten Mischlingshund Bruno.
Petra Tracz, Sachbearbeiterin vom Steueramt der Stadt Fürstenwalde, begutachtet auf ihrem Kontrollgang durch ein Mehrfamilienhaus den 14 Jahre alten Mischlingshund Bruno.

In Fürstenwalde ist die Stadtverwaltung besonderen Steuersündern auf der Spur: Hundehaltern, die ihre Tiere nicht angemeldet haben.

svz.de von
15. Mai 2018, 05:00 Uhr

In Fürstenwalde (Oder-Spree) gibt es 2409 Hunde, deren Halter brav die dafür anfallenden Steuern zahlen: 60 Euro pro Jahr für das erste Tier, 100 Euro für den Zweithund. Allerdings: In der 32 000 Einwohner zählenden Stadt leben weitaus mehr Hunde, die nicht angemeldet sind. Das zumindest sagt Petra Tracz, Mitarbeiterin des städtischen Steueramtes. „Wer Steuern zahlt für sein Tier, bekommt eine Steuermarke, die am Halsband oder Geschirr des Hundes angebracht werden muss.“ Oftmals sehe sie diese Marke jedoch nicht, wenn sie Hund und Herrchen oder Frauchen begegne.

Seit neun Jahren ist die Buchhalterin säumigen Hundehaltern auf der Spur – eine mühselige und häufig nicht ganz ungefährliche Arbeit. Gebissen wurde Tracz zwar noch nie. Aber Drohbriefe hat sie schon bekommen. Auch brenzlige Situationen oder Beschimpfungen erlebt sie, wenn sie in Begleitung eines Mitarbeiters des Ordnungsamtes „Klinken putzen“ geht, um Hunde zu zählen. „Ich könnte über meine Erlebnisse ein Buch schreiben, auch über die vielen Ausreden“, lautet ihr trockener Kommentar. Der Hund sei doch noch ein Welpe oder erst probeweise in der Familie, hört sie häufig. Oder auch, dass der Halter so vieles angeblich Wichtigeres zu tun hatte als das Haustier anzumelden.

Akribisch arbeitet sich die Mitarbeiterin der Fürstenwalder Stadtverwaltung durch die Wohngebiete, klingelt bei Bewohnern und befragt diese. Wenn im Hintergrund von Wohnung oder Grundstück Hundegebell ertönt, dieses Tier aber nicht auf der Liste der angemeldeten Vierbeiner steht, wird Tracz hellhörig. Doch sie bleibt stets freundlich. „Ich bin kein Paragrafenreiter. Wenn du geduldig mit den Leuten sprichst, sind sie häufig einsichtig“, sagt die erfahrene Hundezählerin.

Das geht ihr auch bei Maria Krakowiak so. Die junge Polin hat den Mops ihrer kranken Mutter in Pflege, erzählt die Mieterin in einem Fürstenwalder Plattenbau. Wenn sie das Tier dauerhaft betreue, müsse sie es anmelden, belehrt sie Tracz und reicht der Frau Formular und Telefonnummer.

Oftmals sei ihre Aufgabe wirklich Detektivarbeit, erzählt sie. „Ich merke inzwischen, wenn mich jemand anlügt“, sagt die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Nachbarn, vor allem in Mehrfamilienhäusern, erweisen sich häufig als sehr auskunftsfreudig. „Im Nebenaufgang haben die jetzt einen Schäferhund“, erzählt ihr ein älterer Herr, der gerade seinen Yorkshireterrier in dem Plattenbauviertel ausführt.

Die betreffende Familie, die offenbar nicht zu Hause ist, bekommt ein Anmeldeformular in den Briefkasten. Frau Tracz macht sich einen Vermerk auf ihrer Liste, um dort später noch einmal nachzufragen. Das laufende Jahr über, so schätzt sie, wird sie mit den Hundekontrollen zu tun haben. „Die erste Bestandsaufnahme haben wir 2010 gemacht. In den Folgejahren gab es sporadische Kontrollen, eine akribische Zählerei dann wieder 2016“, erzählt Torsten Kirschner, Fachbereichsleiter „Steuern“ in der Stadtverwaltung. Die Kontrollen seien notwendig, um die Fürstenwalder Hundesatzung im Sinne der Steuergerechtigkeit durchzusetzen, sagt Kirschner und spricht von einer „Rückwirkungsfrist“ von vier Jahren, für die nachträglich Steuern zu zahlen seien – plus einem Bußgeld von 60 bis 200 Euro für das Versäumnis. Im vergangenen Jahr hat die Stadt rund 140 000 Euro an Hundesteuern eingenommen.

Die akribische Zählerei hatte laut Kirschner bisher jedes Mal positive Effekte. „Es gab spürbar mehr Anmeldungen von Hunden.“ So auch diesmal. Allein die Ankündigung der Zählung führte dazu, dass 37 Fürstenwalder ihre Vierbeiner dem Steueramt meldeten. Tracz kennt auch die Wirkung ihrer Kontrollgänge. „Die sprechen sich natürlich rum. Unsere Präsenz bewirkt ein Umdenken bei so manchem Steuersünder.“ Wieder einmal nicht erreicht hat sie bei ihrer Klingeltour einen Hundehalter, dessen Tier jetzt 30 Jahre alt sein müsste. „Der Mann hat den sicher längst gestorbenen Vierbeiner nie abgemeldet, zahlt immer noch Steuern, hat vielleicht längst einen neuen Hund. Das muss geklärt werden“, sagt die 62-Jährige.

Dass die Fürstenwalder mit ihrer Genauigkeit eine Ausnahme im Land Brandenburg sind, ist Kirschner und Tracz bewusst. „In Westdeutschland, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen wird das ähnlich gehandhabt“, sagt Fachbereichsleiter Kirschner. Auch Jens Graf, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, kennt keine weitere Kommune zwischen Perleberg und Lauchhammer, die so vorgeht. „In kleinen Gemeinden funktioniert die soziale Kontrolle auch so. Da kommt raus, wenn ein Nachbar sich unrechtmäßig verhält“, sagt Graf. Er hält die Kontrollen für sinnvoll: „Sonst sind die, die ordnungsgemäß ihre Steuern zahlen, immer die Dummen.“

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