Einweihung in Beelitz : Auf blanken Sohlen

Über Stock und Stein: Thomas Müller-Braun, Geschäftsführer des Barfuß-Parks Beelitz-Heilstätten geht selbst auch gern ohne Schuhe.
Über Stock und Stein: Thomas Müller-Braun, Geschäftsführer des Barfuß-Parks Beelitz-Heilstätten geht selbst auch gern ohne Schuhe.

Erster Barfuß-Park in Brandenburg gestern eröffnet / Scherben, Torf und Steine mit den Füßen erfühlen

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07. Juni 2017, 05:00 Uhr

Auf dem Gelände der alten Lungenheilanstalt von Beelitz (Potsdam-Mittelmark) wurde gestern der erste Barfuß-Park Brandenburgs geöffnet. Ohne Schuhe können drei verschiedene Parcours abgegangen werden. Unsere Zeitung hat die Strecken mal für Sie getestet.

Es piekt. Nicht nur einmal wie bei einer Spritze, sondern immer wieder. Mit jedem Schritt bohren sich die spitzen Steinchen tiefer in die Fußsohlen. „Die pieksen mehr als die feinen Glasscherben vorhin“, sagt Sabrina Käthe. Vor ihr liegen noch 2,5 Kilometer Barfuß-Pfad. Über Bucheckern und Kiefernzapfen, durch nassen Torf und Lehm. Alles ohne Schuhe, denn die hat sie am Eingang abgegeben.

Zwischen Buchen und Kiefern watet jeder Besucher zu Beginn seiner Tour durch kaltes Wasser. Damit wird der Blutkreislauf angeregt, der Stoffwechsel gefördert und die Füße für die kommenden Reize stimuliert.

„Es ist ein Naturerlebnis, bei dem man runterkommen kann“, sagt Geschäftsführer Thomas Müller-Braun. Er erinnere sich noch an seinen ersten Besuch im Barfuß-Park in der Lüneburger Heide. Das habe ihn so beeindruckt, dass er dieses Naturerlebnis nach Brandenburg bringen wollte. Auch wenn der Potsdamer zunächst belächelt wurde. Schwierig sei zum Beispiel gewesen, einem Notar zu erklären, was ein Barfuß-Park ist. Aber man müsse eben den Willen haben, sein Projekt durchzusetzen, sagt er. Das konnte er auch dem Notar verständlich machen. Schließlich sei Barfußgehen gut für das Gleichgewicht und die Koordination. Das Wohlbefinden werde gesteigert, man entspannt.

„Im Wald bin ich nach fünf Minuten sowieso schon entspannt“, sagt Barbara Osterholt und watet durch das Kneipp-Becken. „Das Barfußgehen verstärkt dieses gute Gefühl noch.“ Über Kieselsteine und matschigen Boden geht es immer tiefer in den Wald, das Vogelzwitschern wird deutlicher, die lärmenden Geräusche der Autobahn verschwinden.

Bernhard Knuth, Bürgermeister von Beelitz läuft indes über die feinen Glasscherben. „Das knirscht wie Schnee“, sagt er. Die Scherben sind flach – Erholung für die Füße, bevor sie auf die stachligen Kiefernzapfen treten. Ein paar Meter weiter auf einem großen Sockel steht ein Fels mit Loch. Ein Mann im hellen Shirt steckt seinen Kopf hinein. Er brummt, ein tiefer Ton entsteht und erzeugt ein wohliges Gefühl im Bauch.

„Die Natur soll aktiv erlebt werden“, sagt Müller-Braun. Deswegen gäbe es auf dem Barfußpfad auch über 60 Elemente nicht nur für die Füße. Riech- und Tastkästen reihen sich entlang des Weges. An einem Sandpendel kann Geschicklichkeit und Teamgeist gefördert werden.

Hin- und hergerissen, ob sie den Schritt auf die pieksigen Bucheckern wagen sollen, stehen zwei Freundinnen vor einer der mit Holz eingefassten Fühl-Stationen. Vor zwei Minuten hüpften sie noch durch den feinen Sand der Weitsprunggrube, jetzt wollen sie über die stachligen Buchenfrüchte gehen.

„Das tut schon echt weh“, sagt Wiebke Schirok, nachdem sie ihre Füße darauf gesetzt hat. „Wenn die Bucheckern feuchter sind, pieksen sie weniger“, erwidert Janne Masekowsky. Aber diese wären ja gerade erst reingelegt worden. Genau wie der Rindenmulch, der noch am Wochenende auf allen Wegen zwischen den Stationen verteilt wurde.

Vor 18 Monaten war an Rindenmulch, Balancierklötze und Kneipp-Bäder noch nicht zu denken. „Eigentlich wollte ich den Barfuß-Park in Potsdam aufbauen“, sagt Müller-Braun. „Doch die gute Verkehrsanbindung, der Mischwald und, dass es schon den Baumkronenpfad in unmittelbarer Nachbarschaft gibt, sprachen für Beelitz-Heilstätten.“ Auch Prof. Georg Ebersbach von der örtlichen Parkinson-Klinik besichtigt das 15 Hektar große Areal. Die Reizaufnahme über die nackten Füße schule die Beweglichkeit der von neurologischen Störungen betroffenen Patienten. Deswegen sollen auch sie in Zukunft die verschiedenen Untergründe erfühlen.

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