Ernte : Aronia-Ernte fällt fast völlig aus

So oft Jörg Holzmüller auch misst, die Aronia-Beeren sind zu klein und zu trocken für eine Ernte.
So oft Jörg Holzmüller auch misst, die Aronia-Beeren sind zu klein und zu trocken für eine Ernte.

Landwirte sprechen angesichts der Frostschäden von einer Katastrophe

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30. Juli 2020, 05:00 Uhr

Die Aronia-Ernte in Brandenburg und Sachsen fällt in diesem Jahr nahezu aus. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Jörg Holzmüller vom Dresdner Unternehmen Aronia-Original. Er arbeitet mit Landwirten in Sachsen, Brandenburg und Nordhessen zusammen, die Beeren zur Verarbeitung liefern. Die Spätfröste im Mai hätten den Pflanzen zur Blütezeit so zugesetzt, dass kaum Beeren an den Sträuchern hingen. Die Pflanze sei frostresistent, aber die junge Blüte anfällig.

Über mehrere Tage hinweg habe es im Mai Nachtfröste mit Temperaturen bis minus sieben Grad gegeben. „Das konnten die jungen Blüten nicht überleben.“ Auf Sachsens größter Plantage bei Coswig, wo die Früchte auf rund 80 Hektar wachsen, wird in diesem Jahr nicht geerntet. „Es sind ein paar Beeren dran, aber dafür lohnt sich der kostenintensive Aufwand nicht“, erläutert Holzmüller.

Auch im Spreewald, wo Heinz Peter Frehn Aronia anbaut, fällt die Ernte mehr oder weniger aus. Der Landwirt erwartet einen Verlust von 70 bis 80 Prozent. In vier Wochen werde vielleicht noch gerettet, was an den Pflanzen gereift sei. „Bereits 2019 fiel die Ernte wegen Frostschäden aus“, sagte er. Seit die ersten Pflanzen vor acht Jahren auf 100 Hektar gesetzt wurden - fünf Jahre dauert es bis zur ersten Ernte - konnten erst zweimal Früchte gepflückt werden. 2018 habe der Ertrag bei 700 Tonnen gelegen. Man müsse sich mit dem Wetter und der Situation arrangieren, sagt er. „Aufgeben ist keine Alternative.“

Der 69-jährige Landwirt Gerhard Jochen aus Beelitz hat sich damit abgefunden, wieder nichts zu ernten. „Der Frühfrost im Mai hat meine Pflanzen voll erwischt, da stand schon alles in voller Blüte“, sagt er. Trotzdem sei er stolz auf seine Pflanzen: sie überlebten zwei Trockensommer, jetzt die Frühfröste und sehen immer noch gut aus. „Wenn auch ohne Beeren“, nimmt er die Situation mit Humor. 2010 hatte er auf zwei Hektar 5000 Pflanzen gesetzt. Nur 2014 habe er einen nennenswerten Ertrag von drei Tonnen erzielt.

Eigentlich wollte Holzmüller zumindest auf der 20 Hektar großen Plantage in Naundörfel bei Meißen ernten. Mehrmals täglich hat er den Zucker- und Farbstoffgehalt gemessen - und hoffte auf eine Ausbeute von 40 bis 50 Tonnen. Nun haben sich die Hoffnungen zerschlagen, die Beeren sind zu klein und trocken. „Für uns ein Totalausfall. Was die Zukunft bringt, weiß ich nicht.“ Bereits 2018 und 2019 habe die Trockenheit die Ernte in Sachsen auf 30 bis 40 Prozent der üblichen Menge geschrumpft. Nun hofft Holzmüller auf Beeren von Anbauflächen in Nordhessen. Denn die Nachfrage nach dem Saft sei gerade in der Corona-Krise hoch, so Holzmüller.

Aronia-Beeren werden gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben, sie sind reich an den Vitaminen A, C und K. Wegen des sauren rohen Geschmacks kommen sie eher in verarbeiteter Form zum Einsatz, vor allem als Saft oder getrocknet in Müsli.

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