Begehrte Super-Frucht : Aronia-Ernte beginnt – Ausfälle erwartet

Jörg Holzmüller misst mit einem Refraktometer den Brechungsindex der Aronia-Beeren.
Jörg Holzmüller misst mit einem Refraktometer den Brechungsindex der Aronia-Beeren.

Die dunkle Beere, die vor allem auf Feldern in Sachsen und Brandenburg wächst, gilt als sehr gesund / Der Saft wird mittlerweile bis nach Asien geliefert

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05. August 2019, 05:00 Uhr

Auf den Aronia-Feldern Sachsens hat die Ernte begonnen. „Die Beeren sind schneller reif geworden, als wir dachten“, sagte der Geschäftsführer von Aronia-Original, Jörg Holzmüller. Auf den Feldern in Brandenburg sollen die Beeren erst in gut einer Woche gepflückt werden.

Mehrmals am Tag misst der Chef den Zuckergehalt der Beeren mit einem Refraktometer, das auch beim Weinbau zum Einsatz kommt. So kann der optimale Zeitpunkt der Reife und Ernte bestimmt werden. Die Qualität der dunklen Beeren sei gut, so Holzmüller. Der Ertrag werde dagegen wegen Trockenheit und Frostschäden eher mager ausfallen. Vereinzelt gibt es komplette Ernteausfälle. Auf den Feldern in Coswig (Landkreis Meißen) hatte Holzmüller 300 Tonnen Beeren erwartet. „Nun wird es gerade einmal ein Drittel.“ Grund sind der Dürresommer 2018 und seine Folgen.

„Wir haben einfach zu wenig Feuchtigkeit im Boden“, sagte Holzmüller. Zudem habe es im Frühjahr zu wenig geregnet. Viele Beeren könnten daher nicht zu Saft gepresst werden.

Für Landwirt Gerhard Jochen wird es in diesem Jahr nichts mit der Aronia-Ernte im märkischen Beelitz. „Außergewöhnliche Fröste im Frühjahr von bis zu minus acht Grad haben die Blüten vernichtet“, sagt er. Auf eine Art ist er froh darüber. „Denn durch die Hitze und Trockenheit im Sommer wären alle Beeren am Strauch vertrocknet“, sagt der 68-Jährige. Das hätte den 5000 Pflanzen, die auf seinem Acker stehen, zusätzlichen Stress bereitet.

2010 hatte sich der märkische Landwirt erstmals mit den Aronia-Pflanzen beschäftigt und sich in Sachsen über den Anbau informiert. „Ich kaufte für 20 000 Euro Pflanzen und erntete erstmals 2014 drei Tonnen Beeren“, erzählt er. Das sei die bislang größte Menge gewesen. Jochen, der die Aronia-Beeren an Selbstpflücker verkauft, lässt trotz ausbleibendem finanziellen Erfolg nichts auf das Obst kommen. „Aronia ist eine Zukunftspflanze und kommt mit unterschiedlichsten Bodenbedingungen zurecht“, betont er. Gut wäre eine Bewässerungsanlage, aber das Geld will Jochen nicht ausgeben.

Etwa das Vierfache an Wasser hat Holzmüller für seine eigenen Felder 2019 verwendet. Zudem sollen spezielle Präparate wie Kamille oder Hornkiesel die Pflanzen widerstandsfähiger machen.

Holzmüller bewirtschaftet seine Plantagen in Sachsen und Brandenburg nach ökologischer Anbauweise. „Nur in einer natürlichen Landschaft können wir auch eine natürliche und gesunde Pflanze haben.“ In beiden Ländern baut Aronia-Original auf rund 250 Hektar Aronia-Beeren an. Rund 900 Tonnen erntete das Unternehmen 2018, in diesem Jahr rechnet Holzmüller mit einem Ertrag von 550 bis 700 Tonnen. In wenigen Stunden nach dem Ernten werden die dunklen Beeren in der Region gepresst und weiterverarbeitet. Verkauft wird vor allem der Saft, etwa in Reformhäusern und Bioläden.

Die aus Nordamerika stammende Aronia gilt als Super-Frucht, weil sie viele gesunde Stoffe wie Vitamin C enthält.

Geliefert werden die Aronia-Produkte vor allem nach Deutschland, zunehmend aber auch nach Asien. „Dort gibt es ein ganz anderes Gesundheitsbewusstsein“, sagt Holzmüller.

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