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Studiengang: : Apotheker fordern Neuausrichtung

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Nicht nur Mediziner, sondern auch Apotheker haben Probleme, einen Nachfolger zu finden. Die Apothekerkammer fordert daher einen eigenen Pharmaziestudiengang in Brandenburg. Die Resonanz aus der Landespolitik ist zurückhaltend.

svz.de von
erstellt am 02.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Nicht nur Mediziner, sondern auch Apotheker haben Probleme, einen Nachfolger zu finden. Die Apothekerkammer fordert daher einen eigenen Pharmaziestudiengang in Brandenburg. Die Resonanz aus der Landespolitik ist zurückhaltend.

Jens Dobbert hat alles unternommen, um eine wichtige Stelle in seiner Apotheke in Forst (Spree-Neiße) zu besetzen. Sechs Jahre lang habe er nach einem Pharmazieabsolventen gesucht, glücklicherweise meldete sich dann eine junge Apothekerin, die aus der Lausitz stammt. „Hier in der Region haben wir massive Probleme, Personal zu finden“, sagt der Präsident der Landesapothekerkammer.

Seit Jahren wirbt Dobbert bei Politikern für die Einführung eines Pharmaziestudiengangs im Land – bislang ohne Erfolg. Denn wie auch die Ärzteschaft beklagen Apotheker, dass es nicht genügend Studenten gibt, um den Bedarf zu decken. Brandenburg ist neben Bremen das einzige Bundesland, das keine Apotheker ausbildet. Idealer Standort ist aus seiner Sicht die Universität Potsdam, die dort mit bestehenden außeruniversitären Instituten kooperieren könnte.

590 Apotheken existieren in Brandenburg, die laut Dobbert einen gesetzlichen Auftrag erfüllen. Dabei müsse auch in ländlichen Gegenden die Versorgung mit Medikamenten gewährleistet sein, so der Kammerpräsident. Allerdings sei die zuletzt diskutierte Idee von Politikern, Apothekenbusse einzusetzen, der falsche Ansatz. Diese könnten keine Fachkräfte ersetzen, sagt er.

Auch der brandenburgische Apothekerverband beklagt einen Personalmangel. „Ein Studiengang im Land könnte helfen“, sagt Sprecher Thomas Baumgart. „Viele Absolventen scheuen bereits jetzt die Selbstständigkeit, da sie in der Industrie gute Stellen angeboten bekommen.“ Das Problem werde sich in einigen Jahren noch verschärfen, wenn reihenweise Apotheker in den Ruhestand gehen.

Kammerpräsident Dobbert hat jetzt erneut die Politik auf die Defizite aufmerksam gemacht und im Vorfeld der Wahl die Landtagsfraktionen angeschrieben – die Antworten, die auf der Internetseite der Kammer veröffentlicht wurden, fallen unterschiedlich aus.

So schrieb FDP-Fraktionschef Andreas Büttner, dass er sich für den Studiengang einsetzen wolle. Der CDU-Landeschef Michael Schierack betont, dass mit einer eigenen Ausbildung auch die Chancen steigen, Absolventen in Brandenburg zu halten. Auch die Linke will die Idee prüfen. Dazu müssten Gespräche mit der Universität Potsdam geführt werden, sagt der Gesundheitsexperte Marco Büchel.

Dagegen lehnen SPD und Grüne den Vorstoß ab. Brandenburg profitiere von der Ausbildung in anderen ostdeutschen Bundesländern, so SPD-Fraktionschef Klaus Ness. Ein Studienangebot in Potsdam würde zu einer „starken Konkurrenz“ mit dem nahegelegenen Berliner Institut führen. Ähnlich argumentiert die Gesundheitsexpertin der Grünen, Ursula Nonnemacher.

Auch das Potsdamer Wissenschaftsministerium erkennt keine Notwendigkeit: Brandenburg habe sich Anfang der 90er-Jahre aufgrund von Empfehlungen des Wissenschaftsrates dagegen entschieden, eigene Pharmazeuten auszubilden, sagt Sprecher Hans-Georg Moek. „Dies gilt auch weiterhin.“ Die Potsdamer Hochschule teilte mit, man besitze nicht die Voraussetzungen für den Studiengang.

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