Polizei ermittelt und gräbt weiter : Anklage zu Elias und Mohamed

Im Potsdamer Wohngebiet Am Schlaatz wurde mit Plakaten nach Elias gesucht.
Im Potsdamer Wohngebiet Am Schlaatz wurde mit Plakaten nach Elias gesucht.

Mutmaßlicher Mörder wartet videoüberwacht in einer Einzelzelle auf seinen Prozess

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08. Januar 2016, 12:00 Uhr

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Mohamed (4) aus Berlin und Elias (6) aus Potsdam könnte schon in wenigen Monaten beginnen. „Ich rechne mit einer Anklage im Frühjahr“, sagte der Potsdamer Rechtsanwalt Mathias Noll gestern. Ein 32-jähriger Mann aus Kaltenborn (Teltow-Fläming) hatte Ende Oktober beide Morde gestanden.

Elias war vor einem halben Jahr am 8. Juli von einem Spielplatz im Potsdamer Stadtteil Schlaatz verschwunden, das Flüchtlingskind Mohamed wurde am 1. Oktober vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales entführt.

Der 32-Jährige wird von einem Gutachter auf seine Schuldfähigkeit untersucht. Das Ergebnis liege aber noch nicht vor, sagte Noll. „Mein Mandant hat keine weiteren Aussagen gemacht“, betonte der Anwalt. Der 32-Jährige hatte den Ermittlern nach seiner Festnahme erklärt, er habe Mohamed missbraucht und mit einem Gürtel erdrosselt. Zu dem Mord an Elias machte er keine Angaben.

Die Polizei habe bei ihren Ermittlungen in dem Fall vor kurzem zwei weitere Gartengrundstücke im Kreis Potsdam-Mittelmark untersucht, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Sie bestätigte damit Angaben der „Märkischen Allgemeinen“ vom gestrigen Donnerstag. In einem der Gärten hätten Grabungen stattgefunden, auf dem anderen Grundstück habe es Bohrungen im Erdreich gegeben, um Geruchsmoleküle freizusetzen. In beiden Fälle habe die Suche jedoch kein neues Ergebnis gebracht.

Das Justizministerium bestätigte, dass der mutmaßliche Kindermörder weiterhin in Einzelhaft sitzt. „Das ist ungewöhnlich, weil er als suizidgefährdet gilt“, sagte Ministeriumssprecherin Maria Strauß. „Er soll aber vor möglichen Übergriffen von Mitgefangenen geschützt werden, weil er in Berlin schlechte Erfahrungen gemacht hat.“ Der Gefangene werde in der Einzelzelle in Brandenburg/Havel mit Video überwacht.

In einer Berliner Haftanstalt war der 32-Jährige von einem Mitgefangenen angegriffen worden. Inzwischen nehme der Häftling aber an einigen ausgewählten Sportgruppen teil, sagte Strauß. „Es wird versucht, ihn langsam in den Haftalltag zu integrieren.“

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