zur Navigation springen

Aus dem Gerichtssaal : Anklage wegen drei Getöteter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Täter soll erst seine Großmutter und auf der Flucht zwei Polizisten getötet haben.

Er soll vor fünf Monaten erst seine Großmutter, dann auf der Flucht zwei Brandenburger Polizisten getötet haben – nun ist Anklage gegen den jungen Mann erhoben worden. Das Landgericht Frankfurt (Oder) teilte gestern mit, dass der 2. Strafkammer eine Anklageschrift zu dem Blutbad in Ostbrandenburg vorliege. Zum Inhalt machte eine Gerichtssprecherin mit Verweis auf den derzeitigen Verfahrensstand aber keinerlei Angaben. Zu gegebener Zeit wolle man sich äußern, hieß es nur. Auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) bestätigte, dass die Ermittlungen abgeschlossen seien. Angaben zur Anklage machte auch sie nicht. Zur Begründung hieß es, dass die Klageschrift den weiteren Verfahrensbeteiligten noch nicht offiziell zugestellt worden sei. Anfang der kommenden Woche sollen demnach Details verkündet werden.

Der damals 24-Jährige Jan G. soll Ende Februar in Müllrose (Oder-Spree) seine Großmutter in ihrem Wohnhaus getötet und im Anschluss auf der Flucht am Ortsrand von Oegeln zwei Beamte totgefahren haben. Sie wollten den Mann mit einem Nagelbrett stoppen.

Nach früheren Ermittlerangaben gestand der Tatverdächtige, seine 79 Jahre alte Oma im Streit um Geld mit Messerstichen in den Hals getötet zu haben. Danach floh er demnach mit ihrem Auto und überfuhr die 49 und 52 Jahre alten Polizisten an der Kontrollstelle. Als Motiv habe er angegeben, Angst gehabt zu haben, erschossen zu werden.

Der mehrfach vorbestrafte Beschuldigte wurde nach seiner Festnahme in die geschlossene Psychiatrie in Brandenburg/Havel eingewiesen. Er sollte dort auf seine Schuldfähigkeit begutachtet werden. Nach früheren Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft stand der 24-Jährige bei der Tat unter dem Einfluss von Drogen und Psychopharmaka. Zudem leidet er unter Schizophrenie und hatte wohl seine Medikamente nicht genommen.

Ende 2016 war dem Mann bereits ein anderer Prozess gemacht worden – unter anderem wegen Raubes und Diebstahls. Das Landgericht Frankfurt (Oder) erklärte den jungen Mann damals aufgrund einer „undifferenzierten Schizophrenie“ für schuldunfähig. Weil ein Gutachter ihm Behandlungsfähigkeit attestierte, kam er nicht in eine geschlossene Psychiatrie, sondern unter Auflagen auf freien Fuß.

Die Vorgeschichte der Tat hatte für heftige Diskussionen zur Arbeit einer Kammer des Landgerichtes Frankfurt (Oder) gesorgt, die ihn noch wenige Wochen vor den tödlichen Attacken auf freiem Fuß gelassen hatte, obwohl Jan G. massiv gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Dieses Vorgehen und die festgestellte Schuldunfähigkeit dürften auch im bevorstehenden Prozess eine Rolle spielen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen