Neue Bauordnung für Brandenburg : Angst vor Pfusch am Bau

Nachträgliches Einbringen einer Abriegelung gegen Feuchtigkeit wird teuer.
Foto:
Nachträgliches Einbringen einer Abriegelung gegen Feuchtigkeit wird teuer.

Neue Vorgaben für die Errichtung von Eigenheimen stoßen auf geteiltes Echo

svz.de von
08. März 2016, 05:00 Uhr

Brandenburg überarbeitet seine Bauordnung. Das Regelwerk wird der bundesweit kursierenden Musterbauordnung folgend entschlackt. Im Bauausschuss des Landtags gab es von Experten grundsätzliche Zustimmung, aber auch harsche Kritik.

Vor allem der Wegfall des Objektplaners beim Eigenheimbau ist umstritten. Er wird vom Bauherren bezahlt, begleitet das Vorhaben von Anfang bis Ende umfassend und stellt und eine Bescheinigung aus. Die künftige Bauordnung sieht nur einen Entwurfsverfasser vor, also in der Regel einen Architekten, sowie einen nicht näher definierten „Bauleiter“.

Nicht nur die Architekten- und die Ingenieurkammer halten das für „in höchstem Maße kritikwürdig“, wobei drohende Einnahmeverluste für die Mitglieder eine Rolle spielen könnten. Der Landkreistag lehnt die Abkehr vom Objektplaner ebenfalls strikt ab. Er fürchtet, dass künftig niemand die Einhaltung von Vorschriften kontrolliert und protokolliert.

Auch das Vier-Augen-Prinzip bei der Berechnung der Statik will sich das Land sparen. „Hier auf Eigenverantwortung zu vertrauen, ist völlig an der Realität vorbeigedacht“, sagte der Beigeordnete des Spree-Neiße-Kreises, Olaf Lalk, in der Anhörung.

Die bisher obligatorische Statikprüfung seiner Behörde zeige bei Eigenheimen eine Mängelquote von 15 bis 20 Prozent. Auf völliges Unverständnis stößt bei Lalk die Weigerung des Ministeriums, die Kritik anzunehmen.

Neben der Vereinfachung des Bauens will die Landesregierung mit den Neuerungen Bauherren finanziell nicht stärker belasten. Denn die Baugenehmigung wird künftig deutlich teurer, weil die unteren Bauaufsichtsbehörden nach eigenen Angaben auf jährlich bis zu 20 Millionen Euro Kosten sitzen blieben. Das Defizit soll über die Baugenehmigung ausgeglichen und Bauherren an anderer Stelle entlastet werden.

Eine Milchmädchenrechnung, meinen Bewahrer des Status quo. Ohne Objektplaner und Statikprüfung komme es zu Pfusch am Bau.

Zu mehr Gelassenheit riet Jens Graf vom Städte- und Gemeindebund. „In 15 Bundesländern läuft es schon lange so, wie es Brandenburg jetzt machen will. Wo gebaut wird, drohen immer Mängel. Der Bauherr sollte selbst auf eine gute Ausführung achten“, sagte er. Der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg verwies darauf, dass es keine Belege dafür gebe, dass in der Mark dank der jetzigen strengen Auflagen besser, sicherer und weniger fehlerbehaftet als anderswo gebaut werde.

Jens Meißner vom Thüringer Bauministerium machte den Abgeordneten ebenfalls Mut, sich für Deregulierung einzusetzen. „Bei vielen Bauvorhaben genügt der Polier als Bauleiter“, sagte der Ministerialrat. Seit zwölf Jahren verzichte der Freistaat darauf, den Bauherren jene Prüfungen vorzuschreiben, über deren Abschaffung Brandenburg gerade nachdenke.

Seitdem sei es zu keinem einzigen Personenschaden gekommen, weil Häuser nicht geprüft wurden. Auch kleinere Baumängel seien zwar ärgerlich, aber keine Sache, um die sich der Staat kümmern müsse, sondern der Bauherr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen