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Existenzangst : Angespannte Lage für Museen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Deutsches Schweinemuseum in Teltow, Archiv verschwundener Orte in Forst, Schloss Sanssouci in Potsdam: Brandenburg hat Hunderte große, kleine und teils sehr spezielle Museen. Landesweit sind es rund 400 Ausstellungshäuser.

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erstellt am 01.Jan.2014 | 11:34 Uhr

Deutsches Schweinemuseum in Teltow, Archiv verschwundener Orte in Forst, Schloss Sanssouci in Potsdam: Brandenburg hat Hunderte große, kleine und teils sehr spezielle Museen. Landesweit sind es rund 400 Ausstellungshäuser, wie die Geschäftsführerin des Brandenburger Museumsverbandes, Susanne Köstering, sagt. Jüngst hat jedoch eine Umfrage ergeben, dass in manchen märkischen Museen zu wenig und nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter tätig sind. „Die Personaldecke ist sehr dünn“, betont Köstering.

Nach 1990 seien Mitarbeiter entlassen worden. Neugegründete Museen hätten sich entsprechend orientiert und mit zu wenig Personal angefangen. „Museen sind nicht einfach Häuser, die man auf- und zuschließt. Es müssen auch Angebote gemacht werden“, sagt Köstering. Und: Vielerorts geht ohne freiwilliges Engagement kaum etwas. Drei Viertel der Häuser werden Köstering zufolge ehrenamtlich betrieben. Dass es so viele sind, sei vergleichsweise normal – und eine Bereicherung. Zumal es einige Museen sonst gar nicht erst geben würde. Der Nachteil: Wenn Ehrenamtliche ein kleines Spezialmuseum nicht mehr unterhalten können, muss es meist schließen.

Doch dieses Schicksal kann auch größere Häuser treffen. So ist noch immer keine Lösung für das DDR-Dokumentationszentrum in Eisenhüttenstadt in Sicht. Auch das Freilichtmuseum Altranft ist auf der Suche nach einem neuen Träger – sonst muss es zumachen, wie Andrea Hafenbrack vom Museum sagt. Bis zu einer Entscheidung sei die Einrichtung mit Schmiede und Bockwindmühle aber weiter für Besucher geöffnet. Bis zu 20 000 Gäste kämen pro Jahr. Um den Betrieb kümmern sich Hafenbrack zufolge 7 haupt- und gut 13 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Keinen Normalbetrieb fährt derzeit das Ehm Welk- und Heimatmuseum in Angermünde – wegen Schimmels in einem Außendepot. Nur wer sich anmeldet, kann zwei Räume, die dem aus der Region stammenden Schriftsteller Ehm Welk gewidmet sind, besichtigen, wie Museumsleiterin Julia Wallentin erklärt. Der Rest sei voll mit Stücken aus dem befallenen Depot.

Eine gute Seite habe die Situation jedoch: Die drei fest angestellten Mitarbeiter – Freiwillige gebe es nicht - könnten eine neue Dauerausstellung vorbereiten. Denn das Museum mit der Stadt als Trägerin plant Wallentin zufolge einen Umzug an den zentralen Marktplatz – und hofft damit auch auf „Laufkundschaft“. Bisher besuchten rund 2000 Gäste pro Jahr das Museum, viele von ihnen reisten wegen Ehm Welk aus Berlin an.

Sie selbst und ihre beiden Kollegen seien vom Fach, sagt Wallentin. „Da können wir uns glücklich schätzen.“ Allerdings blieben intensivere Forschungsarbeiten liegen – weil der laufende Betrieb aufrechterhalten werden müsse.

Aber es tut sich auch etwas in Brandenburgs Museumslandschaft: 2013 hat in Frankfurt (Oder) das Kleist-Museum einen neuen Anbau mit reichlich Platz für Exponate zu Heinrich von Kleist eröffnet. Im kommenden Jahr soll Köstering zufolge das Stadtmuseum in Neuruppin einen Neubau erhalten. Auch an anderen Orten seien Veränderungen geplant. „Ich ziehe eine positive Gesamtbilanz“, sagt Köstering.

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