Prozess : Angeklagter kommt in Psychiatrie

Nach Tötungsverbrechen Sicherungsverwahrung gegen 54-jährigen Mann aus Finkenheerd angeordnet

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21. September 2015, 12:15 Uhr

Der 54-jährige Wolfgang E. aus Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree) wird in eine Psychiatrie eingewiesen. Er hatte im April einen Nachbarn getötet. Die Strafkammer folgte mit ihrer Entscheidung den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Es bestehe die Gefahr, dass der schuldunfähige Mann erneut Straftaten verüben könnte.

Der Prozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) drehte sich vor allem um eine Frage: Kann das Verbrechen mit einer Gefängnisstrafe bestraft werden oder ist Wolfgang E. ein Fall für die Psychiatrie? Nach der Beweisaufnahme und den Plädoyers ordnete die Strafkammer am Montag eine Sicherungsverwahrung des Angeklagten an. „Die Gefahr erneuter erheblicher Straftaten ist zu groß“, begründete der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs die Entscheidung.

Eine Verurteilung wegen Totschlags war wegen der psychischen Störungen von Wolfgang E. schon ausgeschlossen worden, als er in Untersuchungshaft von einem Gutachter untersucht worden war. Nicht schuldfähig war schon damals die Diagnose, eine Verlegung in den Maßregelvollzug die Folge.

Daher erhob die Staatsanwaltschaft keine Anklage, sondern stellte einen Antrag auf ein Sicherungsverfahren. Dabei wurde deutlich, dass der Beschuldigte seit Jahren unter Wahnvorstellungen leidet, die sich auf Manfred T. beziehen. Die Staatsanwältin ließ in ihrem Plädoyer einige Beispiele Revue passieren: Angefangen haben soll es mit vom Nachbarn manipulierten Zählerständen. Dieser soll Grünkohl und Gartengeräte gestohlen, Beulen in das Auto von Wolfgang E. gefahren und Löcher in die Wände gebohrt haben.

All das entsprang nur der Vorstellungswelt des Beschuldigten, betonte die Staatsanwältin. Sie verwies auf das Gutachten des psychologischen Sachverständigen. Für Wolfgang E. sei es aber ein Angriff auf seine Existenz gewesen. Lange sei er unauffällig geblieben, auch seine Familie habe die angeblichen Repressalien, von denen er ab und an erzählte, als „Verrücktheiten“ abgetan.

Erst als zu Jahresbeginn zusätzlich eine schwere Depression auftrat, ging Wolfgang E. zum Arzt. Einen Termin beim Spezialisten bekam er aber nicht rechtzeitig. Am 7. April sei es zu einer „plötzlichen, explosiven Enthemmung“ gekommen. Er hat im Wahn den Nachbarn erstochen und anschließend versucht, sich selbst zu töten.

Weil die Erkrankung fortbesteht, wie die Staatsanwältin aufgrund des Sachverständigengutachtens folgerte, beantragte sie die Sicherungsverwahrung. Der Meinung schloss sich der Verteidiger an, der sein Plädoyer kurz hielt. „Im unbehandelten Zustand sind weitere Straftaten möglich“, sagte er. Nur eine Behandlung im psychiatrischen Krankenhaus könne helfen. Dort soll der Gesundheitszustand gebessert werden. Ob die Behandlung erfolgreich verlaufen und wann sie beendet sein könnte, lasse sich nicht sagen.  


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