Alltag in beheizten Zelten

Der Winter kommt: Bagger rollen über das Gelände der ehemaligen Kaserne in Doberlug-Kirchhain / Feste Unterkünfte sollen entstehen

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06. November 2015, 20:00 Uhr

Zwischen großen weißen Zelten kicken einige Männer mit einem Fußball. Andere gehen mit Handtuch und Seife in Richtung Sanitär-Container. Sie gehen vorbei an großen gelben Schläuchen, die warme Heizungsluft ins Innere der Notunterkünfte pusten. Auf dem ehemaligen Kasernengelände im südbrandenburgischen Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) leben Flüchtlinge in winterfesten Zelten.

Ali sitzt auf seiner schmalen Liege. Es ist sehr warm im Zelt. „Wir können das nicht so gut regulieren“, sagt er. Der Syrer lebt seit einigen Tagen auf dem Gelände. Für jeden Zelt-Bewohner gibt es eine Liege, darauf die wenigen Habseligkeiten, die die Menschen auf ihrer Flucht mitgebracht haben.„Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit“, beschreibt der 25-Jährige die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes. Über Griechenland sei er geflüchtet, Verwandte seien schon in Hamburg. Fotografieren lassen möchte er sich nicht. Als der studierte Chemiker berichtet, dass seine Eltern noch in Syrien seien, werden seine Augen feucht.

Derzeit leben nach Angaben des Brandenburger Innenministeriums knapp 80 alleinreisende Männer in der Zeltstadt, die theoretisch Platz für mehr als 400 Menschen bietet. Doberlug-Kirchhain ist der einzige Brandenburger Standort mit beheizbaren Zelten.

Viele Betten darin stehen leer. Noch können die meisten Flüchtlinge in festen Unterkünften leben. Denn in den Brandenburger Erstaufnahmeeinrichtungen gibt es laut Innenministerium rund 4600 Plätze – für momentan annähernd 3000 Asylbewerber. Täglich kämen aber zwischen 300 und 350 neue Flüchtlinge an. Doberlug-Kirchhain könnte perspektivisch längerfristig eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung werden, heißt es.

Wie funktioniert das Zusammenleben in der Zeltstadt? DRK-Einsatzleiter Jens Brandes sagt: „Es wurden Freundschaften geschlossen. Die Männer kommen auf uns zu und wollen helfen.“ Jeden Tag gebe es Deutschunterricht. „Das Zelt ist dann immer voll.“ Mit Blick auf den Winter sagt er: „Die Zelte an sich sind nicht das Problem, sondern die Freizeitbetätigungen.“ Es müssten dann Alternativen im Inneren geschaffen werden. Derzeit werde noch viel gekickt im Freien.

Unweit der Zeltstadt rollen Bagger über den weitläufigen früheren Bundeswehr-Standort. Kasernengebäude werden seit Monaten umgebaut, um feste Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen. Früher war hier die Luftwaffe, seit neun Jahren wird der Standort aber nicht mehr genutzt. Im Dezember sollen die ersten Flüchtlinge in ein saniertes Gebäude einziehen. Weil in den vergangenen Monaten immer mehr Flüchtlinge nach Brandenburg kamen, griff das Land vor einiger Zeit auf die Notlösung mit der Zeltstadt zurück.

Im Inneren werkeln noch Maler, überall riecht es nach frischer Farbe. Die Wände sind mintgrün. In dem künftigen Männerwohnheim soll es rund 400 Plätze geben. Auch eine Kantine wurde hergerichtet. Etwa zehn Millionen Euro flossen seit Juli in diesen ersten Bauabschnitt, wie es vom Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen heißt. Die Zeltstadt soll parallel zu dem Männerwohnheim zunächst weiterbestehen.

Demnächst steht die Sanierung des nächsten Wohngebäudes an, hier sollen noch einmal 600 Menschen leben können – perspektivisch auch Familien. In den Gängen und Zimmern sind die Spuren der Vergangenheit noch deutlich zu sehen. An den Wänden sind Abbildungen von Waffensystemen, ein altes Telefon hängt an einer Wand.  

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