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Naturschutz : Alleen im Fokus der Naturschützer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gericht bestätigt Mitwirkungsrechte bei Fällungen von Alleebäumen – Problem der Nachpflanzungen bleibt

Brandenburgs Naturschützer wollen stärker beim Schutz der Alleen mitreden. Sie stützen sich auf ein Gerichtsurteil, das ihnen mehr Mitsprache vor einer geplanten Fällung zugesteht. Neupflanzungen hinken seit Jahren den ursprünglichen Planungen hinterher.

Im Land wird zu schnell zur Säge gegriffen, wenn es um Alleebäume geht. So sehen es Naturschutzbund (Nabu), Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Grüne Liga und Naturfreunde Brandenburg. In der gemeinsamen Presseerklärung verweisen sie auf das Brandenburgische Naturschutz-ausführungsgesetz, dem zufolge Alleen nicht beseitigt, beschädigt oder sonst erheblich beeinträchtigt werden dürfen. Nur bei zwingenden Gründen seien Ausnahmen – Fällungen – vorgesehen.

Die Umweltschützer stützen sich auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Cottbus vom Februar dieses Jahres, das die geplante Beseitigung von 32 Bäumen an einer Straße in Wildau (Dahme-Spreewald) stoppte. Laut Gericht sei den Naturschutzverbänden ihr Mitwirkungsrecht versagt worden. Die Betroffenen hoffen nun auf bessere Mitwirkungsmöglichkeiten und gründliche Suche nach Alternativen zum Abholzen entlang der Straßen.

Die Naturschutzverbände klagen, dass das Land seine Ziele im Neupflanzen von Alleebäumen seit 2010 nicht mehr einhält. Eigentlich sollten jährlich an 30 Kilometern neue Bäume ihren Standort erhalten. 2015 waren es laut Statistik des zuständigen Landesbetriebes nur 17,63 Kilometer. Gepflanzt wurden 2833 Bäume, gefällt wurden im gleichen Zeitraum jedoch 3147.

Ein Jahr zuvor wurden nur 7,7 Kilometer neu bepflanzt. Auch damals wurden mehr als 3000 Bäume geschlagen, aber nur 1870 vom Landesbetrieb Straßenwesen neu in die Erde gebracht.

Brandenburg ist zwar immer noch das Land mit den meisten Alleen, aber vom 2007 selbstgesteckten Ziel, den Alleenbestand von derzeit rund 2050 Kilometern auf 2500 bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zu erhöhen, meilenweit entfernt. Das Potsdamer Verkehrsministerium verweist darauf, dass im vergangenen Jahr zusätzlich zu den beidseitig bepflanzten Alleen auch 15,9 Kilometer Baumreihen an Bundes- und Landesstraßen neu entstanden sind.

Bei manchen örtlichen Gegebenheiten sei es nicht möglich, neue Bäume auf beiden Seiten der Straße wachsen zu lassen. Mitunter könnte in späteren Jahren aber auch die jeweils andere Seite noch Bäume erhalten. Im Ministerium wird darauf verwiesen, dass einige Bundesländer Baumreihen in die Alleestatistik einrechnen.

Brandenburg verzichtet auf entsprechende Tricks, erklärte der Sprecher des Hauses, Steffen Streu. Nicht praktikabel sei es in den meisten Fällen, einzelne Bäume, die aus Sicherheitsgründen der Säge zum Opfer fallen mussten, durch Nachpflanzungen zu ersetzen. Das ergebe kein einheitliches geschlossenes Alleen-Bild.

Als Ursache dafür, warum die Pflanz-Ziele kaum noch zu erfüllen sind, werden Probleme bei dem dafür notwendigen Flächenerwerb genannt. Aus Sicherheitsgründen müssen die Bäume bei der Neuanlage der Baumreihen 4,5 Meter vom Straßenrand entfernt stehen. Es sei immer schwieriger, von den Landwirten die dafür notwendigen Nutzflächen zu erstehen, so der Sprecher des Verkehrsministeriums.

Auch Kabelführungen im Erdreich entlang der Strecken schränken die Möglichkeiten für neue Alleen ein. So sei es zu erklären, dass im vergangenen Jahr in den Kreisen Barnim, Elbe-Elster, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und Teltow-Fläming gar keine Alleen neu angelegt werden konnten. Mit 4,6 Kilometern entstanden in der Uckermark 2015 die meisten neuen Alleen, gefolgt von Potsdam-Mittelmark, Märkisch-Oderland und Spree-Neiße.

Welche Auswirkung das Cottbuser Verwaltungsgerichtsurteil auf bereits geplante Fällungen entlang der Straßen hat, konnte das Ministerium noch nicht bewerten.

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erstellt am 07.Mai.2016 | 08:00 Uhr

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