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Brandenburg

11. Dezember 2017 | 08:25 Uhr

Ärzte made in Brandenburg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Neuruppin nahm die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) ihre Arbeit auf / Noch steht sie vor manchen Schwierigkeiten

von
erstellt am 28.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Konzentriert sitzen die Studenten um einen großen Tisch in der Mitte des Seminarraums. Vor ihnen liegen rohe Schweinefüße. Mit blauen Gummihandschuhen an den Händen versuchen sie, eine Wunde an den Füßen zu nähen. „Das sieht ja schon ganz gut aus“, sagt Ursula Nonnemacher. Die Grünen-Landtagsabgeordnete ist Ärztin und nach Neuruppin gefahren, um das jüngste Pflänzchen im Blumengarten der märkischen Hochschulen zu besuchen: Die private „Medizinische Hochschule Brandenburg – Theodor Fontane“.

Im Oktober 2014 war die Hochschule von kommunalen und kirchlichen Krankenhäusern gegründet worden. Durch eine eigene Medizinerausbildung sollte etwas gegen den Ärztemangel im Land unternommen werden. Im Landtag stieß das nur bedingt auf Wohlwollen: Besonders die Linksfraktion setzte durch, dass es für die private Gründung keine direkten Landeszuschüsse gibt. Dennoch soll die Medizinische Hochschule Teil des geplanten Gesundheitscampus werden, an dem auch die BTU Cottbus-Senftenberg beteiligt ist. Dadurch soll es möglich sein, die Medizinische Hochschule in einen größeren Forschungsverbund einzubinden und ihr das Promotionsrecht zu erteilen, plant das Wissenschaftsministerium. Fehlende Forschungsmöglichkeiten zählten zu den großen Bedenken des Wissenschaftsrates der Bundesregierung bei der vorläufigen Anerkennung der Hochschule.

„Lernt man denn hier auch, wie man einen Katheter annäht?“, fragt Nonnemacher. In ihrem Studium gab es den an der MHB angebotenen Nahtkurs in dieser Form noch nicht. Stattdessen waren die Studenten ein Jahr mit Anatomie beschäftigt, schnippelten sich durch die Leichen. An der MHB werden die Organe des Körpers nach und nach im Verlauf des Studiums besprochen. Es sei ein Reformstudiengang, sagt der Dekan der Hochschule, Prof. Edmund Neugebauer. Nicht nur der Nahtkurs, auch anderes in Neuruppin ist praktischer orientiert als an großen medizinischen Fakultäten.

Regelmäßig absolvieren Studenten Praxistage in Hausarztpraxen der Umgebung, oft erfolgt der Unterricht in Kleingruppen an beteiligten Krankenhäusern. Zum Thema Dermatologie fuhr das vierte Semester zwei Tage nach Dessau, wo der Professor an den städtischen Kliniken arbeitet.

Die Hochschule sortiert Studienbewerber nicht nach der Abiturnote. Die rund 600 Bewerber pro Studienjahr reichen ein Motivationsschreiben ein, 150 werden zur Vorstellungsrunde eingeladen. Am Ende starten 48 ihr Studium – oft finanziert mit Stipendien von Krankenhäusern, in denen sie später die Facharztausbildung machen sollen. „Arzt zu sein, ist ein besonderer Beruf“, so Neugebauer. „Es kann nicht jeder Arzt werden – wir sehen bei der Auswahl auf die Dinge, die aus unserer Sicht später den guten Arzt ausmachen.“

Wer die Einrichtung besucht, spürt eine Aufbruchstimmung. Die kommunalen Ruppiner Kliniken errichten ein neues Lehrgebäude. Auch in Brandenburg an der Havel entstanden neue Seminarräume. Dort sollen ab April die Studenten ab dem fünften Semester unterrichtet werden. Vom ersten bis vierten Semester findet die Ausbildung in Neuruppin statt.

Doch kann das kleine Pflänzchen MHB ohne Landesmittel eine Medizinerausbildung anbieten? Gelingt eine Ausbildung losgelöst vom wissenschaftlichen Umfeld einer großen Universität? Bislang wirken die Unterrichtsräume in Neuruppin eher provisorisch. „Wie schaffen Sie es, dass ihre Studenten im Studium die seltenen Fälle zu Gesicht bekommen, die es an einer großen Uniklinik gibt, und die man als Arzt kennen muss, die aber in einem ländlichen Krankenhaus nicht unbedingt zum Alltag gehören“, fragt Nonnemacher. Seit Gründung der Hochschule würden die beteiligten Krankenhäuser im Land ernster genommen, sagt der Bernauer Herzchirurg Johannes Albes. „Wer früher eher nach Berlin ging, kommt jetzt zunehmend auch zu uns.“

Es bleibt die Finanzierung. Die vom Land vorgeschlagene gemeinsame Fakultät im Rahmen des Gesundheitscampus lehnt die Hochschule ab. „Das würde uns überfordern“, sagt Neugebauer. Die MHB konzentriere sich stärker auf die Versorgungsforschung. Auch in der Kardiologie und Krebsforschung sei man gut aufgestellt. „Wichtig ist für uns, dass wir Zugang zu Landesmitteln bekommen“, sagt Neugebauer. „Ohne eine direkte Finanzierung des Landes gefährden Sie die Universität.“

Das wird bis auf Weiteres nicht möglich sein. „Es gibt die Regel, dass private Hochschulen vom Land nicht finanziert werden“, sagt der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Stephan Breiding. „Im Fall der Medizinischen Hochschule Brandenburgs hat der Landtag einen Beschluss gefasst, der eine Mittelvergabe ausschließt.“

Ähnlich sieht das die Grünen-Abgeordnete Nonnemacher. „Ich bin skeptisch, was die direkte Vergabe von Landesmitteln aus dem gedeckelten Hochschuletat betrifft“, sagt die Medizinerin. Sie habe den Eindruck, an der MHB versuche ein hoch engagiertes Team, den Studenten eine gute Ausbildung zukommen zu lassen. „Ob das am Ende ein tragfähiges Modell wird, muss sich erst noch zeigen.“

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