Ärzte fordern weniger Bürokratie

Enquetekommission diskutiert über Rezepte gegen den Medizinermangel

svz.de von
28. Dezember 2016, 17:38 Uhr

Die Zahl der aktiven Ärzte im Land Brandenburg war noch nie so hoch wie heute. Gleichzeitig sind die Wartezimmer vielerorts voller denn je und es wachsen die Probleme der Kliniken bei der Nachbesetzung freiwerdender Stellen. Angesichts dieser scheinbar widersprüchlichen Gemengelage diskutierten Experten nun vor der Enquetekommission des Landtags zur Zukunft des ländlichen Raums über Rezepte gegen den Medizinermangel.

So seien zwar viele Ärzte in der Mark beschäftigt. Diese würden aber verstärkt Teilzeitjobs bevorzugen. Zudem bekämen sie anders als noch vor einigen Jahren die Bereitschaftszeiten als Arbeitszeit angerechnet. Hinzu komme, dass die alternde Bevölkerung mehr Behandlungen erfordere, erklärte Thomas Barta, Abteilungsleiter im Potsdamer Gesundheitsministerium den Abeordneten.

Professor Dr. Ulrich Schwantes, Chef des Brandenburger Hausärzteverbands, ergänzte, dass auch die Spezialisierung im Gesundheitswesen für eine schlechtere Erreichbarkeit von Medizinern auf dem Land sorge. „Ich kenne Augenärzte, die eben lieber operieren als allgemeine Augenbehandlungen anzubieten“, erläuterte er.

Das A und O bei der Gewinnung neuer Hausärzte sei eine Attraktivitätssteigerung dieses Berufsfeldes. „Wir verbringen teilweise die Hälfte unserer Arbeitszeit mit Bürokratie. Das schreckt junge Leute ab“, betonte der Verbandschef bei der Anhörung. Auch seien wirtschaftliche Risiken bei einer Praxisübernahme nicht zu unterschätzen. Diese Investitionen mache nur, wer sich sehr sicher sei, dass es die richtige Entscheidung ist.

Besser wäre es, junge Mediziner etwa in einer Praxisgemeinschaft zunächst anzustellen, damit sie sehen, ob das Landarzt-Leben ihr Ding ist, betonte Prof. Ulrich Schwantes. Er treffe verstärkt junge Mediziner, die sich ein Engagement in der malerischen Uckermark auf halbem Weg zwischen Berlin und der Ostsee gut vorstellen könnten, versicherte der Verbandsvorsitzende. Ziel müsse deshalb sein, ihnen diesen Schritt zum Beispiel auch durch weniger Bürokratie in ihrem Praxisalltag schmackhaft zu machen.

Gleichzeitig müsse sich die Medizinerausbildung ändern. Ein Masterplan Medizinstudium 2020 der Bundesregierung sehe eine Stärkung der Allgemeinmedizin-Ausbildung vor. Auch sollen bei den Bewerbern künftig soziale Kompetenzen stärker im Fokus stehen.

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