Besonderes Brot zum Jubiläum : Älteste Bäckerei hofft auf die Enkel

Michael Erwin Fiedler mit dem Jubiläumsbrot aus alten Getreidesorten
Michael Erwin Fiedler mit dem Jubiläumsbrot aus alten Getreidesorten

In Kloster Lehnin kommt man mit Kunden nicht nur am Ladentresen ins Gespräch / Auch in sozialen Netzwerken sind Kreationen zu sehen

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01. April 2017, 05:00 Uhr

Ein alter Pappkarton für Kuchen und ein altertümliches Drehgestell für Baumkuchen erinnern an ganz früher. Seit 250 Jahren gibt es die Klosterbäckerei Lehnin (Potsdam-Mittelmark). „Es ist schade, aber wir haben kaum noch was“, sagt Bäckermeister Michael Erwin Fiedler angesichts der Hinterlassenschaften. Ein Schild an der Hauswand verweist zumindest auf das Gründungsjahr 1767. Am 1. April feiert der Betrieb nahe dem Kloster das Jubiläum.

Es sei die vermutlich älteste Bäckerei im Land, sagt Johannes Kamm, Geschäftsführer der Bäckerinnung Berlin/Brandenburg. Auch die Gemeinde Kloster Lehnin wirbt auf der Homepage mit der bereits in sechster Generation geführten Bäckerei.

Die Zahl der Handwerksbäckereien gehe wegen der Konkurrenz durch Supermärkte und Backshops Jahr für Jahr zurück, beklagt Kamm. Etwa 400 gebe es im Land, etwa 150 in Berlin. Vor zehn Jahren waren es noch rund 600 in der Mark und 250 in Berlin. „Wichtig ist eine richtige Strategie, um am Markt zu bleiben“, sagt er.

„Handwerksarbeit muss für den Kunden erkennbar sein“, so Kamm. Man sollte zeigen, aus welchen Rohstoffen Backwaren hergestellt werden. Kunden gingen zum Bäcker, weil sie handwerkliche und möglichst regionale Produkte kaufen möchten. „Jeder Betrieb muss seine Nische finden“, betont er.

Fiedler präsentiert nicht nur in seinem Café und Laden stolz seine Produkte. Auch Facebook nutzt er, um in Kontakt mit Kunden zu kommen. In diesem und im Vorjahr heimste er mit einer gebackenen Käsetorte und einer „Eierscheckefantasie mit Ananas“ Preise ein. Im Käsekuchenwettbewerb der Bäcker von Berlin-Brandenburg behauptete er sich.

Gerade hat er ein Brot zur 250-Jahr-Feier seines Betriebes entwickelt: ein Dinkel-Waldstaudenroggenbrot aus alten Getreidesorten. Mit Mehl wird die Zahl 250 aufgestäubt. Renner sind bei ihm rustikale Brote, saftige Blechkuchen und feine Torten.

Unverändert mit der gleichen Rezeptur wie vor 30 Jahren werden Sandteig-Kringel gefüllt mit Nougatcreme angeboten.

Fast ununterbrochen waren Café und Bäckerei in Familienbesitz, berichtet Fiedler. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es eine kurze Unterbrechung, als der Betrieb verpachtet wurde. Später kehrten die Großeltern zurück. „1963 hat mein Vater den Backofen angeheizt, 2000 übernahm ich“, erzählt er.

Der 52-Jährige konnte sich nie einen anderen Beruf vorstellen. Schon als Baby wurde er im Weidenkörbchen mit in die Backstube genommen. „Ich wuchs quasi mit dem Duft von frisch gebackenen Broten auf“, sagt er lachend. Noch heute ist für ihn ein warmes Brötchen mit Butter das Beste, schwärmt er. Dafür lässt der Bäckermeister jeden Kuchen und jede noch so sahnige Torte stehen.

In seinem Betrieb beschäftigt er acht Mitarbeiter. Seit drei Jahren finde sich leider kein Lehrling, bedauert er. „Viele denken, Bäcker müssen nur nachts arbeiten und verdienen wenig“, sagt Fiedler und versucht weiter, junge Leute mit der Leidenschaft fürs Backen anzustecken.

Der schlecht geredete Bäckeralltag sei oft Klischee, sagt auch der Chef der Bäckerinnung Kamm. Durch Nachtzuschläge könne gut verdient werden. Zudem werde in vielen Betrieben auch am Tage gearbeitet.

Doch wie sieht es mit der Fortführung der Klosterbäckerei in Kloster Lehnin aus? Seine erwachsenen Kinder wählten andere Berufe, wollten nicht die Bäckerschürze umlegen, sagt Fiedler bedauernd. Er hofft nun auf seine zwei Enkelsöhne. Sie sind ein und fast zwei Jahre alt. „Wir müssen sehen, ob es ihnen gefällt.“  

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