Insektenschutz : Ackerränder können aufblühen

Wildblumen blühen auf einem Ackerrandstreifen im Kreis Märkisch-Oderland.
Wildblumen blühen auf einem Ackerrandstreifen im Kreis Märkisch-Oderland.

Brandenburg hat für die nächsten fünf Jahre ein Förderprogramm aufgelegt, um für Insekten Nahrungs- und Rückzugszonen zu schaffen

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21. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Für das ab Januar geltende fünfjährige Programm zur Förderung von Blühstreifen auf Ackerflächen im Land stehen 30 Millionen Euro bereit. Jedoch darf ab März nur noch Saatgut für heimische Pflanzen verwendet werden, teilte das Agrarministerium auf Anfrage des Linke-Agrarpolitikers Thomas Domres mit. Erstmals in Brandenburg sollen mit dem Programm brachliegende Blühstreifen gefördert werden, die Bienen und anderen Wildtieren als Nahrungsquelle und Schutzzonen dienen.

Bis zu sechs Millionen Euro Förderung können laut Ministerium vergeben werden. Im Saatgut einjähriger Blühstreifen müssen einer Richtlinie zufolge 17 Wild- und Kulturarten enthalten sein. Dazu zählen Klatschmohn, Kornblumen, Spitzwegerich, Dill, Buchweizen und Sonnenblumen. Ist dieses Saatgut nicht verfügbar, kann laut Ministerium eine „Brandenburger Bienenschmaus“ genannte Mischung genutzt werden.

Für mehrjährige Blühstreifen werden 34 Wildarten empfohlen, in denen mindestens 27 Pflanzen wie Wiesenkerbel, Feldbeifuß, Johanniskraut und Hasenklee vorkommen müssen. Ist das Saatgut nicht verfügbar, können die Landwirte auf 28 andere Kultur- und Wildpflanzen zurückgreifen.

In einer ersten Richtlinie des Ministeriums vom Mai waren ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe noch nicht in die Förderung eingeschlossen. Dies sieht erst eine Neufassung vor. Für das neue Programm rechnet das Ministerium mit Anträgen für eine Fläche von bis zu 8000 Hektar. Die Mittel zum Kauf von Saatgut, das 2020 ausgebracht werden soll, müssen bis 31. Dezember 2019 beantragt werden. Einjährige Blühmischungen sollen Anfang April bis Ende Mai ausgesät werden, bei mehrjährigen sei dies auch im Herbst möglich.

Domres forderte Nachbesserungen am Programm. Landwirte beklagten, die vorgeschriebenen Saatgutmischungen seien am Markt nicht erhältlich. „Die Landesregierung lässt die Frage unbeantwortet, ob sie die Verfügbarkeit des Saatgutes und der Ersatzmischungen geprüft hat.“ Ebenso ungeprüft ist Domres zufolge, ob selbstbegrünende Brachen ohne Pflanzenansaat nicht besser für den Artenschutz wären. Er kritisierte zudem, dass nicht sicher sei, ob die Anträge überhaupt gefördert werden.

Der Landesbauernverband fürchtet, dass das Programm von den Landwirten nur unzureichend in Anspruch genommen wird. „Wir wollten ein Förderinstrument, das uns unterstützt, Blühflächen anzulegen. Bekommen haben wir ein unpraktisches bürokratisches Monstrum“, so Präsident Henrik Wendorff.

Auch der Vorsitzende des Naturschutzbundes Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch, übte Kritik. Das Programm sei ein „Schnellschuss“ des früheren Agrarministers Jörg Vogelsänger (SPD). Fast alle anderen Länder hätten solche Förderprogramme aufgelegt. Brandenburg fehle eine Agrarförderung, die biologische Vielfalt auf dem Acker sichere.

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