Haftstrafe : Absichtlich gegen Baum gerast

Im Justizzentrum Potsdam wurde der Stahnsdorfer zu zehn Jahren Haft verurteilt.
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Im Justizzentrum Potsdam wurde der Stahnsdorfer zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Angeklagter aus Stahnsdorf muss wegen Mordes an seiner Frau zehn Jahre ins Gefängnis

svz.de von
06. Februar 2018, 05:00 Uhr

Wegen Mordes an seiner Ehefrau hat das Landgericht Potsdam einen 63-Jährigen aus Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der frühere Psychiater und spätere Pfleger habe am 1. Weihnachtstag 2015 auf einer Landstraße seinen Dienstwagen absichtlich gegen einen Straßenbaum gesteuert, um sich und seine neben ihm sitzende Ehefrau zu töten, erklärte der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter gestern in seiner Urteilsbegründung. Während der 63-Jährige schwer verletzt überlebte, starb die 57-Jährige an den Folgen ihrer Verletzungen.

Da der Mann sich in einer schweren depressiven Phase befunden habe, sei seine Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen, erklärte der Richter. Der Pfleger habe seit den 1990er Jahren wegen beruflicher Misserfolge unter schweren Depressionen gelitten. Der aus Russland stammende Mann habe in Deutschland nicht als Arzt arbeiten können, weil seine Abschlüsse nicht anerkannt worden seien, erläuterte Gerichtssprecherin Sabine Dießelhorst.

Der 63-jährige habe mehrfach die Absicht geäußert, gemeinsam mit seiner Frau aus dem Leben zu scheiden, sagte Horstkötter. Im Jahr 2015 lebte das Ehepaar bereits getrennt, nachdem es in den Jahren zuvor viel gestritten hatte. Mit der Aussicht auf einen Saunabesuch habe der 63-Jährige seine Ehefrau dann am ersten Weihnachtstag 2015 ins Auto gelockt, so der Richter. „Weil die Frau so völlig arg- und wehrlos im Wagen saß, hat der Angeklagte heimtückisch gehandelt“, so der Richter.

Der 63-Jährige hatte vor Gericht angegeben, dass er nach dem Saunabesuch Kreislaufprobleme gehabt und kurz vor dem Unfall das Bewusstsein verloren habe. Außerdem berief er sich darauf, dass er bei dem Unfall einen Gedächtnisverlust erlitten habe. Beides hielt das Gericht für nicht glaubhaft. Denn nach den Gesamtumständen sei davon auszugehen, dass der 63-Jährige das Auto schon auf dem Weg zur Sauna gegen den Baum gesteuert habe. „Sie haben ihren langgehegten Plan umsetzen wollen, gemeinsam mit ihrer Frau aus dem Leben zu scheiden“, betonte Horstkötter. Eine Amnesie habe nicht eintreten können, weil der Mann bei dem Unfall keine Kopfverletzungen erlitten hatte, erklärte der Richter.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft wegen Mordes gefordert und die Verteidigung auf Freispruch plädiert.

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