Tierkrematorium in Frankfurt (Oder) : Abschied vom treuen Freund

Maik Rumfeld ließ das Bild für den Trauerraum nach seinen Vorstellungen gestalten.
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Maik Rumfeld ließ das Bild für den Trauerraum nach seinen Vorstellungen gestalten.

Wie kann man seinen geliebten Hund pietätvoll bestatten? Das fragte sich Maik Rumfeld und eröffnete ein Tierkrematorium

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09. Juni 2016, 05:00 Uhr

Wenn ein geliebtes Haustier stirbt, steht bei vielen plötzlich die Frage nach einer würdigen Bestattung im Raum. Die Möglichkeit eines besonderen Abschieds bietet Maik Rumfeld mit seinem Einäscherungs-Dienst in Frankfurt (Oder) an.

Ihre letzten gemeinsamen Stunden hatten sie auf einer Decke in der Küche. Als Frank Berghausen wusste, dass es mit Bubu zu Ende geht, legte er sich zu seinem Schäferhund-Mischling auf den Boden, schmiegte sich an seinen Rücken und streichelte ihn. „Ich wollte ihm noch einmal all die Liebe zurückgeben, die ich in zwölf Jahren von ihm bekommen hatte“, sagt der 59-Jährige aus Frankfurt (Oder). Als sein Hund nach ein paar letzten heftigen Atemzügen für immer einschlief, meinte Berghausen spüren zu können, wie die Seele aus seinem Hund entwich.

Zurück blieb ein steifer Körper mit weichem Fell. Der Gedanke, ihn mit Schlachtabfällen in der Tierkörperbeseitigungsanstalt schreddern zu lassen, war Berghausen und seiner Frau zuwider. „Was für ein Glück, dass wir kurz zuvor eine Anzeige des neuen Tier-Krematoriums gelesen hatten.“ So fuhr er an einem Sonnabend zum gelben Container mit dem merkwürdigen Schornstein, von dem er dachte, es sei eine Umweltmessstation. „Er stand zufällig direkt neben der Wiese, auf der ich mit Bubu immer gespielt habe.“

Doch so kühl die äußere Hülle wirkt, desto liebevoller ist das Innere eingerichtet. Maik Umfeld empfängt seine Kunden in einem mit Blumen und Tierbildern geschmückten Raum. „Er führte mit mir ein sehr persönliches Gespräch. Das hatte auf mich eine beruhigende Wirkung“, erzählt der Sportmediziner. In anthrazitfarbenen Schränken des Beratungsraumes stehen Urnen in verschiedenen Formen und Farben. Manche ähneln Pyramiden, in denen Edelsteine eingearbeitet sind. Andere sind in der grazilen Form einer Katze gefertigt oder haben eine Hundepfote eingraviert.

Als der Chef des Heimtier-Einäscherungs-Dienstes ihn in den separaten Trauerraum führt, kommen Berghausen die Tränen. Das Bild mit der Regenbogentreppe, die in eine Wolkenlandschaft mit Tierköpfen mündet, rührt ihn zutiefst. Ein Junge genießt darauf mit seinem Hund die Aussicht auf das Meer. „Ich habe mich dort selbst mit Bubu sitzen sehen.“ Maik Rumfeld hat sich viele Gedanken über die Einrichtung gemacht. Er kann sich in die Trauer seiner Kunden gut hineinfühlen. Als vor acht Jahren sein Hund Ben starb, begann er nach Angeboten zu recherchieren, bei dem die Tiere nicht im Müllcontainer landen. „Es gab damals acht Tierkrematorien, alle in West- und Süddeutschland“, erinnert sich der Frankfurter. Die Idee, eines zu eröffnen und in Ostdeutschland eine Marktlücke zu schließen, ließ ihn nicht mehr los. „Bei der Bank haben sie mich anfangs ausgelacht“, sagt der 46-Jährige.

Der Versuch, das Wohngrundstück im Frankfurter Ortsteil Güldendorf zu nutzen, scheitert an der Furcht der Anwohner vor Lärm und Rauchbelästigung. Eine Bürgerinitiative entstand. Erst der dritte Anlauf im Markendorfer Industriepark klappte.

Seit April können Trauernde ihre Hunde, Katzen, Kaninchen und Vögel zu ihm bringen. Bei Bedarf holt Rumfeld die toten Tiere mit seinem Transporter ab und bringt sie in sein Kühlhaus. Die Preise von 60 bis 300 Euro werden unter anderem nach der Schwere der Tiere berechnet. Bei der Gemeinschaftseinäscherung bringt Rumfeld die Asche anonym zum Tierfriedhof. Bei den Einzel-Verbrennungen übergibt er den Trauernden ein Beutelchen mit Asche, kleinen Knochenresten und einem feuerfesten Schamottstein zur Identifikation. Wenn ein Kunde es wünscht, bahrt er das Tier im Abschiedsraum auf und bürstet vorher das Fell.

Ein Herrchen habe seinen toten Liebling aber auch schon draußen auf die Wiese gelegt, damit sein anderer Hund noch einmal an ihm schnuppern und den Verlust begreifen kann, berichtet der Tier-Bestatter. Das Thema Haustierbestattung gewinne für die Menschen mehr und mehr an Bedeutung, glaubt der Frankfurter. Auch in Berlin. Teltow, Pritzhagen und bei Cottbus haben Tierkrematorien aufgemacht.

In Brandenburg dürfe man laut Gesetz seine verstorbenen Lieblinge im eigenen Garten vergraben, doch dazu habe nicht jeder die Möglichkeit, so Rumfeld. Er hatte schon ein älteres Ehepaar bei sich, das Angst hatte, der Nachbesitzer könnte nach ihrem Tod das Hunde-Grab umpflügen. So stellen sich manche die Urne mit dem Foto ihres Lieblings in die Schrankwand. Andere streuen die Asche in den Garten und pflanzen an der Stelle eine Rose. Frank Berghausen wählt eine Bio-Urne, die eins wird mit der Erde. Bevor die Familie sie im Garten vergräbt, stellt er sie auf einen Tisch, auf den er mit Bubus Hundegeschirr und Fotos drapiert. Einige Zeit zündete der 59-Jährige jeden Abend eine Kerze an und ließ die gemeinsamen Jahre Revue passieren.  

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