Sicherheit auf Friedhöfen : Rütteln war gestern: Grabsteinprüfer im Einsatz

Mit einem Messgerät baut Stephan Koch Druck auf einen Grabstein auf, um die Standsicherheit zu untersuchen.
Mit einem Messgerät baut Stephan Koch Druck auf einen Grabstein auf, um die Standsicherheit zu untersuchen.

Grabsteinprüfer sind bis zur Frostperiode mit moderner Technik auf Friedhöfen im Einsatz.

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06. November 2018, 05:00 Uhr

Vorsichtig baut Stephan Koch mit seinem Messgerät Druck auf einen Grabstein auf. Als wenn sich ein Erwachsener anlehnen würde. Koch prüft, ob der Stein dem Gewicht standhält. Rütteln darf er allerdings nicht. „Die Rüttelprobe ist längst verboten“, sagt Koch. Wie viele andere Prüfer auch, ist er bis zur Frostperiode auf Friedhöfen unterwegs und testet mit moderner Technik, ob Gefahr von den Grabsteinen ausgeht, zuletzt zum Beispiel in der Gemeinde Mellensee (Teltow-Fläming). „Die Steine sind einfach oft 25 Jahre und länger Wind und Wetter ausgesetzt. Das geht nicht spurlos an ihnen vorbei“, so Koch. Mit seinem Kraftmessgerät kann er Diagramme zur Standsicherheit aufzeichnen und mögliche Schäden fotografieren.

Grabsteinprüfung im Minutentakt

Pro Minute schafft Koch vier Gräber. „Wenn es Mängel gibt, dauert es natürlich länger“, sagt der Fachmann für Arbeitssicherheit aus Hennigsdorf (Oberhavel). „Die Fehlerquote liegt je nach Friedhof zwischen einem und zehn Prozent“, sagt Koch, der mit seinem Vater und einem Mitarbeiter pro Jahr rund 400 000 Grabsteine deutschlandweit prüft.

Ganz ohne Messgerät kommt Olaf Ihlefeldt auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) bei der Druckprobe aus. „Wir machen das mit Körperdruck und Augenmaß“, sagt der Friedhofsverwalter. Die Aufgabe ist gewaltig, denn der Friedhof ist mit mehr als 120 000 Gräbern der zweitgrößte Deutschlands. „Alle 80 bis 90 000 Grabsteine einmal im Jahr auf ihre Standfestigkeit zu prüfen, ist unmöglich“, sagt Olaf Ihlefeldt. Deshalb würden kritische Bereiche, bei denen zumeist kein Pächter mehr vorhanden sei, häufig systematisch vor den Besuchern abgeriegelt.

Immer wieder Unfälle mit Grabsteinen

Neben Besuchern sind vor allem auch Mitarbeiter von Friedhöfen oder auch dort beschäftigte Garten- und Landschaftsbauer betroffen: Laut Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau gab es im vergangenen Jahr deutschlandweit 14 Unfälle mit Grabsteinen auf Friedhöfen, 2016 waren es 25, im Jahr 2013 sogar 40. Tödliche Unfälle waren nicht darunter. Regionale Zahlen will die Versicherung nicht veröffentlichen. „Eigentlich müssen sich die Angehörigen um die Sicherheit der Grabsteine kümmern“, sagt Michael C. Albrecht, Sprecher des Verbandes der Friedhofsverwalter. Doch in der Regel übernähmen die Friedhöfe diese Aufgabe. „Sie kontrollieren selbst oder beauftragen Dienstleister“, so Albrecht. Vorgeschrieben ist eine jährliche Prüfung.

Zudem gibt es eine Unfallverhütungsvorschrift der Berufsgenossenschaft für Gartenbau, die Richtlinie des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks, des Bundesverbandes Deutscher Steinmetze und die Technische Anleitung zur Standsicherheit von Grabmalanlagen, die TA Grabmal, der Deutschen Naturstein Akademie.

Schäden oft erst nach Jahren sichtbar

Doch nicht überall werden diese Vorgaben auch regelmäßig angewendet. „Es gibt Friedhöfe, da lässt man die Dinge laufen“, sagt Richard Stein von der Deutschen Natursteinakademie. Zudem gebe es auch Steinmetze, die die Grabsteine nicht vorschriftsgemäß befestigten. „Der Schaden tritt meistens erst nach fünf Jahren auf, wenn der Steinmetz nicht mehr haftet“, so Stein.

Dann hätten die Angehörigen ein Problem. Eine neue Befestigung könne schon mal etwa bis zu 1000 Euro kosten. Das sei vielen zu teuer. „Die Angehörigen lassen dann lieber gleich die Grabmalanlage abräumen“, weiß der Fachmann. Die Zahl der Schäden zeige jedoch, dass die meisten Steinmetzbetriebe korrekt arbeiteten.

Das bestätigt auch Olaf Bartenstein vom Friedhofsverwalter-Verband Berlin-Brandenburg. Seine Verwaltungen lasse sich von den Steinmetzen schriftlich bestätigen, dass die Arbeiten vorschriftsgemäß ausgeführt wurden. „Und wenn regelmäßig geprüft wird, ist die Zahl der Mängel auch verschwindend gering“, sagt Bartenstein.

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