Diskussion um Wappentier : Wird der weiße Adler wieder rot?

Brandenburgs erster Ministerpräsident, Manfred Stolpe,   war für die Einführung  des roten Adlers mitverantwortlich. Stolpe plädiert für die ursprüngliche Farbe.
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Brandenburgs erster Ministerpräsident, Manfred Stolpe, war für die Einführung des roten Adlers mitverantwortlich. Stolpe plädiert für die ursprüngliche Farbe.

Rot oder weiß – das ist die Frage. Seit Jahrhunderten hat Brandenburg einen roten Adler als Wappentier. Im Gegensatz dazu prangt der Vogel im neuen Landtag nun ganz in Weiß – als Kunstwerk. Das sorgt für Aufruhe.

svz.de von
25. März 2014, 08:05 Uhr

Abgeordnete reagierten entsetzt, Bürger übten heftige Kritik und schrieben aufgeregte Briefe. Das Thema liegt auf dem Tisch des Landtagspräsidenten Gunter Fritsch. Dieser wollte sich mit dem Architekten Peter Kulka treffen. Er hatte sich aus ästhetischen Gründen für den weißen Adler entschieden – mit dem OK der Kunstkommission des Landtages.

Das Präsidium tagt an diesem Mittwoch. Möglicherweise schafft es das Wappentier erneut auf die Tagesordnung. Die Abgeordneten sind zur Frage rot oder weiß geteilter Meinung.

So hieß es aus der CDU-Fraktion, sie setze sich für einen roten Adler ein. Landesvorsitzender Michael Schierack sagte, es gehe um das Landeswappen und nicht um ein ästhetisches Bildwerk. „Ein roter Adler würde den Plenarsaal schmücken.“ Wichtig sei, eine Lösung mit dem Architekten zu suchen und auch für den weißen Adler einen angemessenen Platz zu finden.

Die Fraktion hatte schon einmal dafür gesorgt, dass sich das Landtagspräsidium mit der Farbgebung des Wappens befasste. Doch einigte sich das Gremium damals darauf, es beim Entschluss der Kunstkommission zu belassen. Die Kritik am neuen Adler verhallte allerdings nicht.

Die Linke will abwarten, welche Ergebnisse Fritsch nach dem Gespräch mit Kulka vorlegt. „Danach werden wir in der Fraktion beraten“, sagte Thomas Domres, Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion.

Sollte es am Mittwoch eine Abstimmung geben, wird die Parlamentarische Geschäftsführerin der FDP, Marion Vogdt, für den weißen Adler votieren. „Das ist Kunst“, sagt sie. Wenn daneben noch die Landesfahne als Hoheitszeichen platziert werde, wie geplant, sei das in Ordnung.


Architekt hätte lieber ein anderes Tier gehabt


Die Grünen sind für einen weißen Adler. „Allerdings könnten wir uns vorstellen, dass er probeweise auch mal in Rot angebracht wird“, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin Marie Luise von Halem. Auf keinen Fall solle das originale Wappen aus dem alten Plenarsaal - roter Adler mit Kleestängeln und goldenen Krallen – wieder herausgeholt werden.

Über einen Farbwechsel können das Präsidium des Landtages oder das Parlament entscheiden. Architekt Kulka hatte zur Landtagseröffnung gesagt: „Ich hätte auch lieber die weiße Taube von Picasso dahin gehängt als Euren weißen Adler.“

Mit der Gründung des Landes Brandenburg 1990 wurde der rote Adler als Hoheitszeichen gesetzlich verankert. Der erste Ministerpräsident Manfred Stolpe erinnert sich, dass die Sozialdemokraten sofort für dieses Wappentier gewesen seien – und die anderen Parteien nicht dagegen. „Ich wollte einen Adler in ziviler Ausführung – ohne Kurhut, Schwert, Zepter und Brustschild“, sagt der 77-Jährige.

Zum weißen Adler sagt Stolpe: „Ich habe mit dem von mir geschätzten Architekten mehrfach diskutiert. Seinen ästhetischen Standpunkt respektiere ich – ein weißer Adler. Nach mehreren Gesprächen weiß ich aber, dass Kulka auch einen roten Adler an der Stelle ertragen könnte. Darüber bin ich ganz froh. Ich hätte sonst Sorge, dass das, was wir mit dem roten Adler verbanden, jetzt nach fast 25 Jahren ein wenig verblassen könnte. Die Menschen sollen auch ein bisschen stolz sein auf das Land.“

Wappen entstanden im Mittelalter in West- und Mitteleuropa. „Ursprünglich kennzeichneten sie den im Kampf durch die Gleichheit der Rüstungen nicht erkennbaren Krieger“, heißt es auf der Internetseite des Brandenburger Hauptarchivs.

Adler und auch Löwe gehören zu den ältesten und häufig genutzten Wappentieren. „Schon im Alten Testament ist der Adler Symbol der Liebe Gottes, der Stärke und Macht, der Jugend, auch des Hochmuts und im Neuen Testament Symbol der Himmelfahrt Christi und Attribut zahlreicher Heiliger“, erklärt Historiker Thomas Wernicke vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam.

„Dem Adler werden große Weitsicht und Scharfsinn nachgesagt“, sagt Rolf Sutter von Pro Heraldica. Schon vor Jahrtausenden wollten sich Könige und Kaiser ein sichtbares Zeichen geben, berichtet der Forschungsleiter der Deutschen Forschungsgesellschaft für Heraldik und Genealogie. „Der Adler ist dafür gut geeignet.“ Er sei bereits bei den römischen Legionen als Zeichen genutzt worden. „Die Wurzeln gehen in alte Kulturen zurück und haben immer mit dem Herrschaftsgedanken zu tun“, so Sutter.

Seiner Ansicht nach diente einst der Steinadler als Vorbild für das Wappentier. In Brandenburg ist diese Adlerart ausgestorben. In der Mark leben drei Adlerarten: Fisch-, See- und der vom Aussterben bedrohte Schreiadler.

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