Braunzeug nach Bunzlauer Art : Wenn der Ofen den Takt des Lebens vorgibt

Töpfer Manfred Dannegger in seiner Werkstatt mit lehmglasiertes Steinzeug.
Töpfer Manfred Dannegger in seiner Werkstatt mit lehmglasiertes Steinzeug.

Was der 66-Jährige aus dem begehbaren Ofen mit den dicken Ziegelwänden, riesigen Aschekästen und zwei rußgeschwärzten Feuerklappen holt, ist zwar dunkelbraun und glänzend, aber nicht essbar.

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29. November 2015, 16:04 Uhr

Bei Manfred Dannegger gibt es Frisches aus dem selbst gebauten Holzbrandofen. Wer dabei allerdings an kulinarische Leckereien denkt, wird enttäuscht sein. Was der 66-Jährige aus dem begehbaren Ofen mit den dicken Ziegelwänden, riesigen Aschekästen und zwei rußgeschwärzten Feuerklappen holt, ist zwar dunkelbraun und glänzend, aber nicht essbar.

Der Töpfer aus dem Oderbruch-Örtchen Groß Neuendorf (Märkisch-Oderland) gehört zu den letzten Handwerkern deutschlandweit, die sich auf die Herstellung von Braunzeug nach Bunzlauer Art verstehen. Die lehmglasierten Töpferwaren, die noch vor 100 Jahren in vielen Haushalten von Bauern und Fischern zum Inventar zählten, sind schlicht und schnörkellos - wie der langjährige Seemann Dannegger selbst. Er orientiert sich an überlieferten Formen, lässt auf der Töpferscheibe Schüsseln, Tassen, Krüge, Schalen, Kannen entstehen. „Ich mache Töppe, keine Kunst“, pflegt der gebürtige Usedomer zu sagen.

Das Braunzeug ist noch handwarm, wenn Dannegger es aus dem riesigen Ofen holt. „Die Leute kaufen bei mir nicht nur Töppe, sondern auch die Geschichte dazu“, so seine Erfahrung. Im Alltag bleibt dem Handwerker mit dem norddeutschen Dialekt für Kundengespräche und Erläuterungen zur Technik wenig Zeit. Wenn doch, erfahren Besucher, dass der Ofen einen Tag vor dem Brennen „warmlaufen“ muss, dass die Tonrohlinge nach dem Drehen auf der Töpferscheibe zehn bis zwölf Tage trocknen und dabei sowie beim Brennen um bis zu 15 Prozent schrumpfen.

Und sie lernen, dass Hast beim Töpfern schädlich ist. „Die Dinge brauchen ihre Zeit und der Ofen gibt den Takt vor“, sagt Dannegger. Durch die hohe Brenntemperatur von 1300 Grad sind die Gefäße besonders dicht, feuerfest und vertragen Temperaturwechsel.

„Ich schwöre seit Jahren auf die Schüsseln und Krüge“, sagt Elvira Burmeister, die mit ihrem Mann aus dem uckermärkischen Angermünde anreiste. Diesmal suchen sie Weihnachtsgeschenke. Bierkrüge, Vogelhäuschen, Auflauf- und Backformen wandern in die Stiege, Geldscheine in die Tasche des Töpfers. So einträgliche Geschäfte hat er selten. „Ich lebe von Laufkundschaft, habe keine festen Abnehmer“, sagt der Autodidakt.

Vor neun Jahren zog er ins Oderbruch, nachdem er per Zufall den alten Bauernhof mit dem 1830 erbauten Fachwerkhäuschen hinter dem Flussdeich in Groß Neuendorf gefunden hatte. An der Stelle des alten Stalls steht die Werkstatt mit dem selbst gebauten Holzbrandofen als Herzstück Hilfe könnte der Handwerker bei der körperlich schweren Arbeit inzwischen brauchen, gibt er zu. Die Töpferei werfe aber nicht so viel ab, dass er einen Mitarbeiter bezahlen könnte. Dass die Tradition der Braunzeug-Fertigung nach Bunzlauer Art erhalten bleibt, wünscht sich der Töpfer schon. Auch ein Nachfolger sei schwer zu finden.

„Arbeitsintensives, traditionelles Handwerk wie Herrenschneider, Korbmacher, Kürschner, Schuhmacher und Töpfer stirbt aus“, sagt Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Frankfurter Handwerkskammer. Viele Produkte würden industriell gefertigt. Billigkonkurrenz aus Osteuropa und Asien drücke die Preise. „Handwerker dieser Gewerke können von ihrer Arbeit nicht mehr leben, finden daher auch keine Nachfolger“, sagt Hoppe.

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