Potsdamer Schlösser : Warten auf den Richtigen

Still ruht das Schloss: In Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) steht das Wasserschloss aus dem  13. Jahrhundert. Heute ist es ein Hotel. Hinter dem großen Park beginnt die Tagebaukante.
Still ruht das Schloss: In Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) steht das Wasserschloss aus dem 13. Jahrhundert. Heute ist es ein Hotel. Hinter dem großen Park beginnt die Tagebaukante.

Viel schwieriger als Schlösser vor dem Verfall zu retten, ist die Suche nach einem passenden Nutzer

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05. August 2015, 12:00 Uhr

Seit mehr als 20 Jahren bemüht sich die Potsdamer Schlösser GmbH um den Erhalt märkischer Herrenhäuser. Der Verfall konnte bei einem Dutzend Denkmäler weitgehend gestoppt werden. Aber eine Nutzung zu finden, bleibt ein langer Weg.

So ist auch ein Nutzer für das Schloss Altdöbern nicht in Sicht. Das Barockschloss im Kreis Oberspreewald-Lausitz gehört zu den prächtigsten im Süden Brandenburgs. Die Brandenburgische Schlösser GmbH versucht seit Mitte der 90er-Jahre das Gebäudeensemble samt Park wieder herzustellen. Im September, so Geschäftsführer Wolfgang Illert, werden die Arbeiten an fünf Rokoko-Räumen beendet und das Ergebnis präsentiert. Die Pracht, die Künstler des sächsischen Hofes im 18. Jahrhundert in der Niederlausitz schufen, wird dann wieder erlebbar sein.

Was mit dem Schloss werden soll, ist offen. Auf der Internetseite der Gesellschaft, die von der Deutschen Denkmalstiftung betrieben wird, ist von 3290 Quadratmetern Nutzfläche die Rede. Betreiben werden könnte dort ein Hotel oder eine Tagungs- und Fortbildungsstätte. Eile besteht nicht. Ein Schloss, das mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel hat, kann auch einige Jahre auf eine neue Nutzung warten und leer stehen, lautet die Philosophie von Illert. Voraussetzungen sind, dass die Dächer dicht und die Gemäuer trocken sind, nennt er zwei Beispiele.

Die Gesellschaft wurde im Jahr 1992 mit dem Land Brandenburg gegründet. Ziel ist die Rettung von Schlössern und Herrenhäusern. Von den insgesamt 500 Gebäuden im Land wurden rund ein Dutzend bedrohter Häuser übernommen und zunächst gesichert. Der Verfall ist somit erst einmal aufgehalten.

Einen Nutzer zu finden, erweist sich oft als schwierig, vor allem dann, wenn die Häuser weit von Berlin entfernt sind. Martinskirchen in Elbe-Elster, einst Jagdschloss der Grafen von Brühl, wartet seit Jahren auf eine Nutzung. Der Festsaal in bestem sächsischem Rokoko erstand in alter Pracht neu und kann für Veranstaltungen genutzt werden. Der Rest des Hauses soll erst dann ausgebaut werden, wenn sich jemand mit einer tragfähigen Idee gefunden hat.

Hotelnutzungen gelten gemeinhin als ideal für alte Schlösser. In Steinhöfel bei Fürstenwalde ist ein solches Konzept verwirklicht worden. In Reichenow (Märkisch-Oderland) wurde das neogotische Schloss jahrelang als Hochzeitshotel betrieben. Zwei Jahre war es geschlossen, weil sich die Nutzer und die Schlössergesellschaft nicht über einen neuen Vertrag einigten. Nach Sanierungsarbeiten wurde das Gebäude in diesem Sommer an neue Betreiber übergeben. Die wollen dort ein privates Gästehaus für Tagungen und Veranstaltungen betreiben. Ein öffentliches Restaurant wird es nicht geben. In Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) besitzt die Schlössergesellschaft ein Wasserschloss aus der Renaissance-Zeit. Der Umbau zum Luxushotel brachte dem ersten Betreiber nicht den erhofften wirtschaftlichen Erfolg. Inzwischen ist ein neuer Nutzer am Start.

Seit das Land vor mehr als zehn Jahren seine Beteiligung an der Schlösser GmbH auf fünf Prozent zurückfuhr und seine Zuschüsse einstellte, geht es mit den Sanierungsarbeiten langsamer voran. Die Übernahme neuer Häuser erscheint eher illusorisch. Am Schloss Dahlwitz (Märkisch-Oderland) laufen zurzeit die Arbeiten an der Außenfassade. Illert betont, dass er für dieses Herrenhaus im Stil einer Turmvilla zwischen mehreren Nutzern wählen könnte. Das Ensemble samt Park befindet sich noch innerhalb des Berliner Autobahnrings, folglich ist das Interesse groß. Allerdings wird der Innenausbau noch einige Zeit dauern.

Schloss Groß Rietz (Oder-Spree) war eines der ersten Projekte, das wieder seinen alten äußerlichen Glanz verliehen bekam. Das rosa-weiße Barockhaus stand trotzdem jahrelang leer. Inzwischen ist es an Privatpersonen vermietet, die Teile des Hauses für ihre Sammlungen nutzen wollten. Vor Ort wünscht man sich eine öffentliche Nutzung, die Besucher in den Ort zieht. „Wir gingen davon aus, dass der nicht privat genutzte Teil öffentlich zugänglich gemacht wird“, räumt Illert ein. Er baut darauf, dass eine Sammlung erzgebirgischer Schnitzkunst noch präsentiert wird. Momentan ist nur der Park frei zugänglich. Die Schlösser-GmbH wird ihre Zelte in Brandenburg bis Ende des Jahres abbrechen. Mit der Deutschen Stiftung Denkmalpflege wird ein Domizil in Berlin bezogen.

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